Sizilien (I) 2018

Montag, 21. Mai 2018 (Pfingstmontag)

Max bringt uns halb neun zum Bahnhof Velten und wir fahren mit unserer Regio bis Falkensee und steigen dort in die RB14 nach Schönefeld. Ines steigt Friedrichstraße zu und Jule am Ostbahnhof. 10.48 Uhr sind wir am Flughafen und müssen zur Kenntnis nehmen, dass sich unser Flug um ca. 50 min verspätet.

Landung nach ca. 2 ¼ Stunden in Palermo. Mietwagen (Fiat Cinquecento L) geholt und entlang der Küste über Messina bis zu unserer Unterkunft an der Nordseite des Ätna gefahren. Zuerst fährt Ines, dann Jule, zuletzt ich. Zweimal wird Maut fällig (10,70 sowie 1,60€). Dass sich die ca. 300 km dann dermaßen in die Länge ziehen hatten wir nicht erwartet. Besonders die letzten 20 km hatten es in sich, denn es ging über unzählige Serpentinen und ultrasteile Knüppelpisten bis auf 550m Höhe – und das bei fast völliger Dunkelheit. Gegen 22,45 Uhr begrüßt uns dann Antonio auf der Piazza des Örtchens Limina und zeigt uns das über 3 Etagen angelegte Ferienhaus. Die letzten Meter erscheinen uns zu steil für unser Auto und wir lassen es auf der Piazza stehen und schleppen die Koffer das Stück.

Dienstag, 22. Mai 2018

Alle haben sehr gut geschlafen und die Mädchen gehen zu einem Bäcker und einem alimentari und holen was zum Frühstück. Nach dem prima colazione erkunden wir den Ort. Hier sagen sich wirklich Fuchs und Hase „buona notte“. Wir kommen an eine Kirche, die nach dem hlg. Fillipo benannt ist. Hier hat vor kurzem ein Fest zu seinen Ehren stattgefunden, worauf diverse Schmuck- und Beleuchtungsinstallationen sowie abgebranntes Feuerwerk hinweist. Dieser Fillipo scheint übrigens afrikanischer Herkunft zu sein. Etwas oberhalb liegt ein typischer italienischer cimitero, den wir uns etwas genauer ansehen. Einige Meter weiter stoßen wir auf ein eigenartiges Fußballstadion, das mehr nach einem Gefängnis-Freigang-Bereich aussieht. Weiter oberhalb kommen wir an einem Panorama-Aussichtspunkt mit Gipfelkreuz und Mobilfunk-Antennen-Anlage. Von hier sieht man, wie malerisch unser Limina inmitten dieser bergigen Landschaft liegt. Der Blick reicht bis zum Meer. Der Nachteil dieser tollen Lage ist aber leider die umständliche Erreichbarkeit des Ortes, weswegen wir auch morgen vorzeitig abreisen werden, aber dazu später. Nachdem wir zurück im Ort sind, sehen wir u.a. einen etwa 10 m langen Springbrunnen, in dem sich ein blecherner Fillipo auf Schienen bewegen lässt, essen ein Eis bei einem Bar-Besitzer, der mal ein Jahr in Deutschland gearbeitet hat und treffen auf lauter freundliche, aufgeschlossene Einheimische. Wir sind doch irgendwie exotisch hier. Im alimentari kaufen wir Obst, Eier, Wäscheklammern und Toilettenpapier sowie diverses Zeugs, bezahlen unserer Meinung nach viel zu wenig und bringen alles zur Unterkunft.

Dann fahren wir mit dem Auto runter an die Küste nach Taormina, allerdings auf einem anderen Weg als wir gestern heraufgekommen sind. Für die vielleicht 15 km brauchen wir fast eine Stunde, denn es geht mehr als gestern über enge Haarnadelkurven und baufällige Brücken entlang steiler Abgründe auf grottig schlechten Straßen immer wieder steil hinauf sowie wieder hinab.

In Taormina stellen wir das Auto in ein großes Parkhaus, fahren dort mit einem Fahrstuhl nach ganz oben und sind nun im historischen Zentrum. Die Stadt liegt auf 200 m Höhe mit einem grandiosen Blick auf eine Bucht und den Ätna. Hier ist natürlich alles sehr touristisch aber Jule gefällt’s. Als wir uns vor ein Restaurant setzen und uns einen Salat bestellen, fängt die Glocke einer unmittelbar benachbarten Kirche an zu bimmeln, ein Leichenwagen hält und man entlädt einen reich geschmückten Sarg. Als wir mit unserem Salat fertig sind, ist auch die Trauerfeier wieder vorbei.

Anschließend geht’s zum berühmten griechischem Amphitheater, von dem schon Geheimrat Goethe so begeistert war – und das zu Recht. Mama Ätna hüllt sich allerdings in diesigem Dunst.

Auf dem Rückweg zum Parkhaus kaufen wir uns zwei dieser Kalorienbomben namens Cannoli (Teigrollen mit Riccotta-Füllung).

Da wir nur noch eine Nacht in Limina übernachten wollen, organisiert uns Jule ein Appartement im Badeort Letojanni. Wir parken in der Nähe des Bahnhofs, stellen fest, dass dieser weitestgehend außer Betrieb ist und laufen entlang des Strandes zu unserer morgigen Unterkunft. Hier sieht‘s ähnlich aus wie in Rimini.

Zurück nach Limina wieder fast eine Stunde gebraucht. Abends gibt es selbst zubereitete Pasta mit Gemüse.

Mittwoch, 23. Mai 2018

Zum Frühstück gibt es Rührei, danach packen wir alles ins Auto und verlassen Limina. Ein letztes mal geht’s über steile Serpentinen und mittelalterliche Brücken über schwindelerregende Schluchten hinab Richtung Küste. Zugegeben, die Ausblicke sind fantastisch – nur der Fahrer hat nichts davon.

Unser Ziel ist Siracusa. Während der griechischen Zeit war dies die Hauptstadt Siziliens. Nach etwa 2 Stunden sind wir da, stellen das Auto auf einem schattigen Parkplatz und laufen zum archäologischen Park, wo wir ein großes griechisches Amphitheater, einen „paradisischen“ Steinbruch (Ohr des Dionysos) sowie die Überresten eines gigantischen Altars und eine römische Arena besuchen. Im Souvenirshop kaufe ich mir ein Siracusa-T-Shirt.

Danach laufen wir zum historischen Zentrum von Siracusa, das Ortigia heißt und auf einer vorgelagerten kleinen Insel liegt. Hier gibt es u.a. einen Brunnen, der die Göttin der Jagd darstellt sowie eine strahlend weiße Piazza del Duomo. Der Dom wurde um einen griechischen Tempel herum gebaut, dessen Säulen man im Innern noch bewundern kann, was ich so auch noch nicht gesehen habe. In einen Café gegenüber bestellen wir uns cappuccino und latte macchiato.

Das Castello am Südende der Insel ist leider geschlossen, aber dafür gehen wir noch mal kurz an einem kleinen Strand in der Nähe mit den Füßen ins Mittelmeer. Das Wasser ist sehr klar, aber der Strand ist sehr steinig.

Danach zurück zum Parkplatz und knapp zwei Stunden später sind wir in unserer neuen Unterkunft direkt am Strand von Letojanni, wo uns Veronique begrüßt und uns Tipps für einen Ausflug zum Ätna gibt.

Dann alimentari und Abendbrot.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Gegen 6:45 Uhr steht Ines plötzlich in unserem kleinen Wohnzimmer mit Blick auf das Meer, in dem ich auch auf der etwas unbequemen Schlafcouch genächtigt habe. Die Sonne ermahnt uns auch mit ihrem Strahl den Tag zu nutzen, also schlüpfe ich in meine Laufschuhe und jogge die gesamte Länge des Letojanni Strand entlang bis zum Ortseingang. Unterwegs begegnen mir nur ein paar verschlafene Einwohner und Touristen, aber vor allem streunende Katzen. Es ist eine nette Abwechslung zu den steilen Straßen des Bergdorfes.
Als ich wieder zur blauen Tür unseres Casa Michela komme, steht Mama im triefenden Badeanzug vor mir. Ich lasse es mir nicht nehmen und hüpfe auch mal schnell ins Meer. Das Wasser ist sehr kalt. Der Sog der Wellen und der unebene Steinboden machen mir etwas Angst, außerdem bekomme ich etwas Herzrasen. Es war wohl doch keine so gute Idee, gleich nach dem Joggen ins kalte Wasser zu hüpfen. Also dann doch lieber wieder raus und fertig machen für den Tag.Ohne Frühstück und etwas hinter Zeitplan fahren wir gegen 8:15 Uhr aus Letojanni los und nehmen die Autobahn Richtung Messina. Im Großraum eben jener Stadt stecken wir im Stau und nach 2h erreichen wir Milazzo. Dieser Ort ist Ausgangspunkt für die Fähren zu den Eolischen Inseln. Leider haben wir die Fähre um 9:30 Uhr verpasst und die nächste fährt erst um 12:15 Uhr. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als 2 Stunden sinnvoll zu nutzen.
Wir setzen uns in eine Bäckerei, trinken Kaffee und essen Gebäck. Ich verzichte, aber wünsche mir nichts sehnlicher als mein Bergsteiger-Müsli herbei. Nur eine Banane und eine Reiswaffel sind keine gute Grundlage für einen -wenn auch entspannten- Vulkanaufstieg, das weiß ich nun fürs nächste Mal.
Nach dem Frühstück laufen wir noch etwas ziellos die Mole entlang. Danach gehen Papa und Ines zum Fährhafen, während Mama und ich eine lange palmengesäumte Promenade mit tollem Blick auf das Castello beschreiten. Das Wetter ist erstaunlich super, obwohl wir auf dem Herweg durch dicke Regenwolken gefahren sind, die nun immer noch bedrohlich im Gebirge am Horizont festhängen. Auf dem Meer ist davon zum Glück nichts zu spüren.Wir sind pünktlich eine halbe Stunde vor Abfahrt am Anleger, aber müssen leider bis kurz vor 12:15 Uhr mit vielen Rollkoffer-Touristen warten, um auf das Tragflächenboot gelassen zu werden. Die Sitzreihen im Inneren sehen aus wie im Flugzeug, die etwa 50minütige Überfahrt könnte man am ehesten mit „heftigen Turbulenzen“ beschreiben. Trotzdem dösen wir von dem Geschaukel relativ schnell weg.Bis kurz vor Ankunft in Vulcano gibt es durchs Fenster auch nichts weiter als Meer zu sehen. Dann aber erheben sich mehrere interessante Kraterinseln aus dem Wasser. Die Landschaft ist schon sehr einzigartig. Tiefschwarzes, sandgelbes und rotbraunes Gestein wechselt sich munter ab. Garniert wird das Ganze mit einer üppigen Blütenpracht aus Hibiskus, Bourgainvillea, Ginster und Wandelröschen. Letztere sehen aus wie kleine Lego-Steckblumen.Papa steuert mit strammen Schritt den Gipfel des Vulkans an, während Mama und Ines versuchen, die einzigartige Gegend digital festzuhalten. Die Stimmung ist irgendwie gereizt, mir ist noch etwas blümerant von der Überfährt und der penetrante Schwefelgeruch ist nicht unbedingt förderlich. Hinter einem Felsen sitzen lauter Leute regungslos in einem matschigen Tümpel. Der Schlamm soll wohl gut für die Haut sein.Wir folgen den Schildern zum Krateraufstieg an allerlei Souvenirläden und Restaurants vorbei, dann kommen nur noch ein paar Häuser und eine Autostraße ohne Bürgersteig, bevor wir auf die andere Straßenseite wechseln, wo krümeligen graues Vulkangestein unter unseren Füßen knirscht. Relativ steil geht es im Zickzack den Berg hoch. Ein letzter Imbiss lockt noch mit kalten Getränken, dann befindet sich nur noch der staubige Fels vor uns.Der Kies macht das Gehen schon etwas mühsam, aber wir sagen uns: wenn die pickligen Schulkinder das schaffen, die uns mit gelangweilten Mienen vom Krater entgegenkommen, dann wir erst recht! An ein paar Stellen wird der Weg plötzlich von schroffen Felsen durchbrochen, als ob hier mal ein Lavastrom durchgerauscht wäre. Ich stelle mich etwas ungeschickt an, als ich einen Vorsprung runterkraxel und stoße mich am Schienbein. Eine Wunde ähnlich eines Vulkankraters bildet sich und ich bekomme eine leichte Panikattacke, dass die Wunde sich nun entzündet und mich für den Rest des Urlaubs lahmlegen wird, eine Amputation schließe ich auch nicht aus. Mit schlechter Laune stapfe ich den anderen hinterher und versuche extra vorsichtig zu sein.An einer Stelle wechselt sich schlagartig das Gestein unter unseren Füßen von grau krümelig zu rotbraun sandig glatt, was wesentlich angenehmer zu besteigen ist. Tiefe Furchen markieren ausgetretene Pfade. Teilweise laufen wir auf den Resten von gepflasterten Straßen aus grauer Vorzeit, die jäh von einem Lavastrom unterbrochen wurden. Immerwieder sitzen Leute rum und versperren uns den Weg, was etwas nervig ist. Papa wird es langsam zu steil und felsig, aber so kurz vor dem Ziel mag nicht mal er aufgeben. Nur noch 10 Minuten geklettere und wir gucken in den Gran Cratere. Am linken Rand dampft es gewaltig aus gelben Schwefelfeldern, in denen die Schulklassen komplett eingehüllt werden.Wir verschnaufen auf einem sehr kleinen Hubschrauberlandeplatz und essen eine Apfelsine. Hier oben weht ein heftiger Wind und es ist etwas ungemütlich. Wir könnten nun den Krater umrunden, um einen schönen Blick auf das Plateau hinter dem Vulkan zu sehen, aber dann müssten wir durch die Schwefelschwaden, darauf hat keiner Lust. Außerdem befürchtet Ines, dass wir mit der Zeit nicht hinkommen, obwohl wir bis zur Abfahrt des Bootes noch über 3h Zeit haben. Sie macht sich mit Papa schon wieder an den Abstieg während Mama und ich noch etwas näher an die brodelnden, zischenden Schwefelfelder gehen. Das stinkende gelbe Gestein wurde im 19. Jahrhundert für Streichölzer und Schießpulver im großen Stil abgebaut, bis der Ausbruch von 1888 dem eine Ende macht. Von hier aus hat man zumindest einen schönen Blick auf die kleine Vulcanello und die anderen eolischen Inseln.

Wir überlegen, ob wir noch über die andere Seite zum höchsten Punkt des Kraters gehen, wenn wir schon mal hier sind, aber nachdem wir ein sehr steiles Stück mühsam hoch gelaufen sind, habe ich keine Kraft mehr (wir erinnern uns: kein Bergsteigermüsli zum Frühstück!) und wir steigen mit weichen Knien wieder hinunter. Zwischendurch sehen wir sogar Ines roten Rucksack und Papas helle Mütze.

Im Ort am Fuße des Vulkans treffen wir die beiden in einem Café wieder, dass in einem schönem Garten mit Pool liegt, wobei letzteres einen eher unfertigen Eindruck macht. Da ich durch den heftigen Wind am Krater etwas angeschlagen bin, bestelle ich mir einen Tee, was für komische Blicke sorgt. Wir verschnaufen eine Weile und lesen im Reiseführer. Dann schlendern wir zu den Souvenirläden und zum Hafen, schauen den Leuten beim Suhlen im Fangoschlammtümpel zu, viel mehr hat der Ort auch nicht zu bieten. Ines kauft sich ein T-Shirt mit einem Vulkan drauf, Mama ergattert für mich knallige Strandschuhe im interessanten Lochkäse-Stil. Wir gammeln eine Weile am Hafen rum und fotografieren die eintreffenden Tragflächenboote, bis wir gegen 18 Uhr endlich unser eigenes besteigen können. Der Kapitän scheint es eilig zu haben, denn er fährt etwas zu früh los und ist auch schon nach 40 min wieder in Milazzo, was uns nur Recht sein soll. Wir holen unser Auto aus der Garage Ferrari und fahren zurück Richtung Letojanni. Im Nachbarort holen wir im Supermakt Eier, Bier, Gemüse und anderes. Die Kassiererin hilft uns auf englisch weiter, wahrscheinlich auch weil sie Feierabend machen will und gibt uns einen Tipp, wo wir in Letojanni mal für viel Geld essen gehen sollen.

Mit unserer Beute bereiten wir in unserer Unterkunft schmackhafte Blumenkohl-Pfannkuchen zu, wobei ich mir das Handgelenk an der heißen Pfanne verbrenne. Dazu gibt es Salat von Vortag. Als wir unseren Verdauungsspaziergang antreten wollen, verfehle ich die Stufe vor unserer blauen Tür und knalle mit den Knien auf den Bürgersteig. Ich erkläre diesen Tag nicht zu dem meinigen und will eigentlich nur noch heiß duschen und ins Bett, aber auch das ist nicht ohne weiteres möglich, denn irgendjemand hat den Boiler ausgeschaltet und es scheint wirklich lange zu dauern, bis dieser heiß läuft. Letztendlich dusche ich irgendwie so lauwarm und pfeiffe mir heißen Ingwertee rein, um eine nähernde Erkältung abzuwenden. Zum Glück ist der Tag vorbei.

Freitag, 25. Mai 2018

Heute bleibt das Auto stehen. Wir schlafen aus, essen Frühstück und bekommen die Waschmaschine nicht zum Laufen. Die Mädchen gehen joggen oder baden und ich warte auf Veronique wegen der Waschmaschine. Veronique kommt, drückt auf einen Knopf und die Trommel beginnt sich zu drehen.

Susanne und ich gehen kurz ins Wasser, aber mir ist es zu steinig.

Am späten Vormittag laufen wir alle los auf der Promenade Richtung Taormina. Nach einer Weile endet die Promenade an einer Mauer und wir müssen auf den Strand ausweichen. Ein Zaun markiert den Beginn eines Hotelstrandes aber wir gehen weiter und weiter. Aber auch am Strand versperren uns nach einer Weile große Fels- und Lava-Blöcke den Weg. Da wir keine Lust zum Umkehren haben, kraxeln wir auf allen Vieren darüber hinweg und entdecken die Überreste eines Mini-Castellos.

Nach ca. 50 m enden die Gesteinbrocken und es beginnt wieder Strand, allerdings gehört dieser auch zu diversen Hotels und Ressorts und endet in Sichtweite an einem Felsvorsprung. Über eine Treppe kommen wir auf die Schnellstraße nach Toarmina – es gibt aber keinen Bürgersteig nur einen schmalen Randstreifen und jede Menge Verkehr.

Nach ein oder zwei Kilometern führt endlich eine Gasse und kurz darauf eine Treppe Richtung Wasser und wir erreichen eine kleine malerische Bucht mit Strandbetrieb. An einer kleinen Bar bestellen wir was zu Trinken und gehen aufs Klo.

Wieder über eine Treppe kommen wir zur Talstation der Seilbahn, die hinauf nach Toarmina fährt. Wir wollen aber erst zur Isola Bella, ein kleines Inselchen auf dem eine Enkelin von Queen Victoria, die den Bürgermeister von Taormina geheiratet hatte, exotische Pflanzen züchtete. In den 50er Jahren erwarben italienische Industrielle die Insel und errichteten eine verspielte Wohnanlage. Nach deren Konkurs gehört das alles der Region Sizilien. Der WWF hat die Insel zum Naturschutzgebiet erklärt, da hier einige geschützte Pflanzen- und Eidechsenarten leben. Die Insel erreicht man über eine Sandbank, auf der sich Strandbesucher sonnen und der Eintritt kostet €4,-/Person.

Mit der Seilbahn fahren wir danach hinauf nach Taormina, laufen durch die Einkaufsstraße Corso Umberto, essen alle einen Salat oberhalb eines römischen Odeon und kaufen uns dann noch zwei Cannoli mit Riccotta. Dann jede Menge Souvenirs-Zeugs gekauft und mit dem Bus zurück nach Lettojanni. Abends auf der Terasse Rommé gespielt.

Sonnabend, 26. Mai 2018

Wir befolgen Veroniques Rat und starten 8.00 Uhr Richtung Ätna. Kurzes Stück autostrada, dann immer bergauf Landstraße bis Linguaglossa und anschließend waldige Serpentinen bis zum ehemaligen Wintersportort Piano Provenzano. Ehemalig deswegen, weil dieser Ort beim letzten großen Ausbruch 2002/2003 vollständig unter Lava begraben wurde. Der Wiederaufbau ist noch nicht so richtig angelaufen.

Wir sind gegen 9.30 Uhr dort und trinken erst mal hier auf etwa 1800 m Höhe zum Frühstück caffé americano con bzw. senza latte und essen mitgebrachtes. Susanne kauft schon die ersten Souvenirs.

In der Nähe stehen Hütten, wo man Exkursionen buchen kann und wir entscheiden uns für eine Tour, bei der man mit einem kleinen Allrad-Mini-Bus auf 2900 m gebracht wird, wo sich kurz unter dem Gipfel ein Observatorium befindet und anschließend wieder runter auf 2200 m fährt und die Krater des letzten Ausbruchs von 2002 ganz aus der Nähe betrachtet.

10.30 Uhr geht’s los. Zuerst fahren wir durch noch waldiges Gebiet, durchbrochen durch die mächtige Lava-Zunge des letzten Ausbruchs, vereinzelt ragt ein Hausdach aus dem erkaltetem Lavastrom. Der Wald weicht kurz darauf Sträuchern und Flechten und dann verschwinden auch diese und wir sehen nur noch schwarze Asche und Geröll. Der Zufall will es, dass in unserem Bus auch die Teilnehmer der Hauptkrater-Exkursion mitfahren, die zuerst auf 3000 m gebracht werden müssen. So kommen wir zu einer kleinen Sondertour. Zeitweise führt der Weg durch Schnee, der höher als der Bus ist.

Beim Observatorium steigen wir aus und unser Guide Danielle erzählt uns einiges über die Entstehung und die Besonderheiten des größten und aktivsten Vulkans Europas. Es wird windig und kühl und Nebel zieht auf. Einige Meter unter uns sehen wir ein Brautpaar, das tatsächlich in voller Garderobe hochgefahren wurde um spektakuläre Hochzeitsfotos zu machen. Wir machen auch jede Menge Fotos, obwohl jetzt von Sizilien nicht mehr viel zu sehen ist.

Wir kraxeln noch einige Meter höher und dann wieder zurück zum Bus, der uns nun zu den Kratern von 2002 bringt. Wir umrunden den Kraterrand zu Fuß. Neben dem spektakulären Blick ins Innere des Kraters sieht man sehr gut die verheerenden Folgen des letzten Ausbruchs.

Ein fast neunzigjähriger Teilnehmer unserer Gruppe versucht jedem zu erzählen, wo er schon überall war und findet in Susanne eine geduldige Zuhörerin.

Dann geht’s wieder hinab zum Parkplatz Piano Provenzano und die Mädchen schlagen im Souvenir-Shop noch mal richtig zu.

Auf der Rückweg halten wir in Linguaglossa und lassen uns in einem kleinen Regionalmuseum einen Film über den Ausbruch von 2002 vorführen.

Nach einem kurzem Stopp in Piedimonte kommen wir relativ zeitig wieder nach Lettojanni und sehen eine schwarze Rauchsäule über dem Ort nahe unserer Unterkunft und werden von Feuerwehrautos überholt. Kurzzeitig kommen Zweifel auf, ob wir den Herd heute früh ausgemacht haben…

Zum Abendbrot gibt es Gemüse-Pilzpfanne und die Mädchen stiefeln noch mal los um ein ausgetrocknetes Flussbett zu erforschen.

Sonntag, 27. Mai 2018

Hier schreibt Ines:

Die Sonne scheint durch die Terrassentür und ein Geräusch weckt mich. Ich sehe, dass sie offensteht; es ist schon jemand draußen. Ein Blick auf die Uhr verrät, es ist halb sechs. Ich nehme mir eine Banane und gehe auch hinaus. Das Meer liegt genauso ruhig wie am Abend zuvor, obwohl ich in der Nacht so etwas wie Sturm gehört habe. Juliane erzählt später, dass die Straße in einiger Entfernung nass ist, als hätte es geregnet. Ich krieche noch einmal unter die Decke.

Unser Apartment erwacht gegen sieben zum Leben. Jule startet ihren morgendlichen Lauf. Später springen Susanne und Juliane noch mal in die kalten Fluten. Ich ziehe eine warme Dusche vor. Holger taucht auch auf. Wir packen die letzten Sachen in die Koffer und die übriggebliebenen Lebensmittel in die Fresstasche.

Etwas später als geplant – gegen 20 Minuten nach acht – sagen wir unserer Unterkunft und dem Örtchen Letojanni Ciao und fahren bei Taormina auf die Autobahn Richtung Palermo. Noch eine kurze Überlegung, ob an der Küste entlang über Messina oder durchs Inselinnere fahren. Der Entfernungsunterschied sind nur 10 km, also nehmen wir, um keine Zeit zu verlieren, die uns bekannte Strecke über Messina.

Wir passieren noch einmal die Orte Milazzo, wo die Fähren zu den Eolischen Inseln ablegen, und Barcelonna (nicht zu verwechseln mit dem spanischen Barcelona). Irgendwo dort halten wir für eine Kaffee- und Toilettenpause. Zum Tankstellenkaffee verzehren einen großen Teil aus unserer Fresstasche, vertreten uns noch ein bisschen die Beine bevor es weiter geht. Palermo erreichen wir dann gegen halb eins.

Es herrscht erstaunlich wenig Verkehr – wahrscheinlich, weil Sonntag ist. Vorbei an häßlichen „Wohnwaben“ finden wir zur Stazione Centrale und einen Parkplatz; und wir machen uns auf zu einem ersten Erkundungsgang. Wir wollen natürlich wissen, wo unsere Unterkunft ist, entscheiden uns aber nicht für den direkten Weg. Zwischenzeitlich habe ich eine Nachricht erhalten, dass Antonio uns in der Via Vittorio Emanuelle 261 um 16 Uhr erwarten wird. Ich schreibe zurück, dass wir dann dort sein werden.

Vorbei am Orlo Botanico mit seltsamen beeindruckenden Bäumen, wo viele sonntäglich gekleidete Familien unterwegs sind, kommen wir zur Uferpromenade mit Blick auf den Hafen einerseits und prachtvolle Gebäude aus verschiedenen Epochen anderseits, wohinter sich die Altstadt Palermos erstreckt. Wir gehen die Via Vittorio Emanuele, üblicherweise Cassaro genannt, wieder hinauf. Sie ist teilweise für den Autoverkehr gesperrt, was sehr angenehm ist. Das Zentrum der Altstadt ist dort, wo die Via Maqueda den Cassaro kreuzt. Die „abgeschnittenen“ Ecken der Häuser (Quattro Canti) erinnern mich an Barcelona. Kurz dahinter befindet sich unsere Unterkunft. Es ist das hässlichste Gebäude hier, aber wenn man darin wohnt, sieht man das ja nicht.

Nur wenige Meter weiter stehen wir auf einem schönen Platz mit Springbrunnen (Piazza Pretoria), links und rechts Palazzi, das Rathaus und Kirchen. Wir machen ein paar Fotos, nur um wieder ein paar Schritte weiter auf einem noch schöneren Platz zu stehen. Hier befinden sich zwei Kirchen aus dem 12. Jahrhundert, La Martorana und La Cataldo aus dem 12. Jahrhundert. La Martorana ist leider schon geschlossen, aber La Cataldo können wir auch von innen bewundern. Sie ist ungewöhnlich in ihrer Form, und sie gehört auch heute noch den Rittern zum Heiligen Grab.

Weiter den Cassaro hinauf führt unser Weg zum Palazzo dei Normanni. Die Normannen kamen 1072 nach Sizilien. Hier steht der königliche Palast. Ein ziemlich gigantisches Bauwerk. Durch das Porta Nuova geht es zurück. Wir wollen uns die Cattedrale ansehen. Nach nur 10 min sind wir dort. Holger holt Karten für die Turmbesteigung und wir erklimmen die ca. 100stufige Wendertreppe. Oben angekommen, begrüßt uns ein herrlichen Blick auf die Stadt.

Jetzt müssen wir uns langsam auf den Weg zurück zum Auto machen. Wir marschieren stramm und viertel vor 4 sind wir wieder an unserer Unterkunft, diesmal mit Sack und Pack. Wer nicht da ist, ist Antonio. Wir sind in Italien, also geben wir ihm Zeit. Viertel nach 4 rufen wir dann doch an und nur 1 min später ist er da. Er war die ganze Zeit im Haus. Wir laden unsere Koffer aus, und Antonio zeigt Holger, wo das Auto abgestellt werden kann.

Das Apartment ist eine Wucht. Wir sind begeistert und nehmen es sofort in Beschlag. Susanne und Juliane machen sich dann auf zum Flohmarkt, den wir unterwegs gesehen haben. Holger braucht erst einmal etwas Erholung nach der langen Autofahrt. Er hat uns überall hinkutschiert, wofür wir sehr dankbar sein müssen. Wir wollen später alle wieder zusammen treffen.

Ich gehe ebenfalls alleine los, um eine der Opera dei Pupi zu finden. In einer Seitenstraße gegenüber der Kathedrale werde ich fündig und habe unglaubliches Glück. Nur 15 min später beginnt eine Vorstellung, und Einleitung und Erklärungen sind auf deutsch. Ich kaufe eine Karte und bleibe. Bei den Pupi handelt es sich um ca. 1 Meter große Marionetten. Das Stück ist eine Mischung aus Geschichte (Karl der Große besiegt die Sarazenen), Liebe (Ritter Roland rettet die Königin) und Phantasie (Ritter Roland besiegt auch den Drachen). Die Aufmachung ist witzig, und obwohl ich kein Wort verstehe (Das Stück selbst ist natürlich auf italienisch.), kann ich folgen.

Nach Ende der Show heißt der Treffpunkt Teatro Massimo. Wo ist das noch mal? Mein Stadtplan ist nicht besonders gut, aber mit Hilfe von Telefon und der stark auf Fahrräder vertretenen Palermoer Polizei finde ich den Rest der Truppe wieder. Nächstes Ziel ist jetzt ein kleines urischen Restaurant in einer der unzähligen Gässchen der Altstadt. Wir lassen uns Spagghetti, Minestrone, Insalata und Pizza schmecken, um dann noch einmal – das jetzt abendliche – Palermo zu erkunden.

Überall ist Musik, an einer Ecke tanzt eine afrikanische Gruppe, vor der jetzt angestrahlten Kathedrale tanzt man Tango, und nur wenige hundert Meter weiter spielt eine Live-Band. Die Straßen sind voller Menschen. Auch zum Hafen gehen wir runter, denn dort soll ein altes Kastell sein. Leider finden wir nichts. Da wir am nächsten Morgen früh raus müssen, machen wir uns auf den Heimweg, nicht ohne noch vorher einigen Läden einen Besuch abzustatten.

So gegen 10 – 10:30 sind wir in der Unterkunft. Unser Tag in Palermo und damit unser Sizilien-Urlaub sind leider schon vorbei. Morgen heißt es Abschied nehmen.

Hier schreibt Susanne:

Heimreise, Palermo, 28. Mai 2018

4:50 Uhr klingelte Jules Handy. Sie stand unverzüglich auf, kurz ins Bad und kam in Laufsachen wieder heraus, um die Straßenecken abzujoggen. Ich ging ins Bad, nacheinander allemann, der Fahrer hatte noch extra Schlafminuten gebucht. Als Jule zurück kam, ging ich nochmal zur benachbarten Piazza, nach dem herrlichen Brunnen und antiken Gebäuden sehen. Als ich kurz darauf wiederkam, waren alle 4 vollständig erwacht, noch verpackt und reisefertig. Das Auto musste mit dem Wohnungsschlüssel aus der Tiefgarage im Hotel geholt werden – vorsichtig, um alte Ecken und eine steile Auffahrt hinan.

Wir verstauten alles und Holger fuhr sicher zum Flughafen. Dort stellten wir das Auto ab und warfen Schlüssel ein.

Ab zur Gepäckaufgabe, unser Koffer (hatte beim Hinflug, im Flugzeugbauch eine Rolle eingebüßt) wog 4 kg zu viel, und es musste nachbezahlt werden. Nun letzte Souvenirs, nach dem Durchleuchten und oh Schreck, hier wars richtig voll. Die Richtungen wechselten, es schoben sich zu späte Fluggäste von hinten vorbei.

Nun war die Zeit bis Abflug schon nahe und es konnte nur kurz noch was gekauft werden.

Der Einstieg ins Flugzeug erfolgte nach kurzer Bustour, auf dem Rollfeld.

Im Flugzeug wurde eine 25 min Verspätung und Wartzeit angekündigt. – Schluck, was ist da los – aber als es losrollte und raste und abhob wars nur noch halb so schlimm.

In der Luft ermüde ich schnell und schlummere ein, bis einige Turbulenzen spürbar sind, z.B. als landet der Flieger – aber eingehüllt in Wolken.

Wir kamen dann doch auf der Erde an und hatten bald unsere Koffer.

Rückfahrt mit Zug und Max holt uns ab.

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2 Antworten zu Sizilien (I) 2018

  1. ute schreibt:

    Das Bild mit dem Blumentopf hätte ich gerne im Großformat.

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