London 2002

Pfingstmontag 20.05.2002

Velten – Cuxhaven

6,30 Uhr aufgestanden, Kinder geweckt und schnell gefrühstückt, d.h. eigentlich hat ja nur Papa was gegessen und Stullen geschmiert sowie Kaffee gekocht. Unseren Hund haben wir schon am Vortage bei Familie Müller abgeliefert.

Gegen 9,00 Uhr losgefahren, getankt und Luft aufgepumpt.

Erste Pause nach immerhin ca. 15 min Fahrt (Frühstück bei McDonalds). Weiter Richtung Hamburg. Die Autobahn ist weitestgehend frei an diesem Pfingstmontag.

Nächste Pause zwischen Bremen und Bremerhaven. (Foto)

Das Wetter ist wunderbar, nicht zu warm und nicht zu kalt.

Ankunft in Cuxhaven gegen 14,30 Uhr. Fährterminal sofort gefunden. Boarding pass um 15,30 Uhr geholt. Auf das Angebot des sog. Garagenservice (55,- Euro bis Sonntag) verzichten wir dankend und stellen den Wagen auf einem unbewachten Parkplatz in der Nähe ab.

Ab 16,30 Uhr beginnt das Einschiffen, d.h. Boarding pass- und Pass- bzw. Ausweiskontrolle.

Mama beschleicht die Angst, daß die Anzahl der Rettungsboote nicht ausreichen wird um im Notfall alle Passagiere aufzunehmen. Papa hat eher den Eindruck, daß bei der geringen Auslastung des Schiffes eines der zehn Rettungsboote für alle reichen würde.

Wir betreten das Schiff „Admiral of Scandinavia“ und bemerken zuerst, daß das Servicepersonal hauptsächlich aus Asiaten (wie sich später herausstellt Philipinos) besteht. Jule hat nur ein Problem – wo ist der Fernseher? Leider Fehlanzeige. Dafür gibts wenigstens ein Kino. Wir beziehen unsere Kabine und erkunden anschließend das Schiff. Papa muß feststellen, daß der Kahn im Gegensatz zu den Katalogbildern einen ziemlich verrosteten Eindruck macht. Wahrscheinlich hat er seine besten Zeiten schon hinter sich (der Kahn natürlich, nicht Papa). Erstklassig sind immerhin die Preise in den zahlreichen Restaurants, die Lighthouse Cafe und ähnlich heißen.

Um 18,00 Uhr startet der Dampfer in Richtung Harwich und Maxe und Papa stehen an der Reling. Die Gangway wird mit einem Gabelstapler abtransportiert und auf der Winkterasse stehen die Eltern der Schulklasse, die sich mit uns eingeschifft hat.

Unsere Kabinennummer ist die 63 und hat zwar ein Fenster aber kein Bullauge zum Meer, wie ich es mir bei der Buchung vorgestellt habe, sondern ein Rechteck-Fenster zum Flanierdeck, so daß jeder bei uns reinglotzen konnte.

Jule und Mama kaufen sich Kinokarten für die Vorstellung um 21,00 Uhr und sehen sich so ziemlich alleine einen amerikanischen Thriller mit Michael Douglas in der Originalfassung auf Englisch an.

Vorher besuchen Mama, Jule und Maxe den Bord Shop und Papa gönnt sich ein Bier, das er sich gottseidank mitgebracht hat, denn die Preise an Bord sind astronomisch. Maxe möchte am liebsten heute schon unser gesamtes Geld in die Autorennspiel- und Daddelautomaten, die zahlreich aufgestellt sind, versenken.

Die Nordsee ist ruhig, hin und wieder kommt die Sonne hervor. Auf dem Achterdeck spielt eine Band und das Leben ist schön…

 

Tuesday 21.05.2002

Harwich – London

Um 7,00 Uhr werden wir per Lautsprecher geweckt. Wegen der Seeluft haben wir alle gut geschlafen. Wer auf das Pauschalfrühstück für ca. 20 Mark p.P. verzichten möchten, kann sich am kostenpflichtigen Buffet bedienen und löhnt hier z.B. für ein trockenes Brötchen 1,50 Euro.

Am Horizont zeichnet sich die englische Küste ab.

Ca. 10,15 Uhr laufen wir in den Hafen von Harwich ein und werden über Lautsprecher darauf hingewiesen, daß wir unsere Uhren um eine Stunde zurückstellen müssen. Wir haben also heute einen Tag mit 25 Stunden. Leider wird man uns bei der Abreise die geschenkte Stunde wieder abknöpfen.

Nach der Passkontrolle laufen wir einen Bahnsteig entlang, an dessen Ende ein Bus auf uns wartet. Während der etwa zweistündigen Fahrt nach London werden wir auf unserem Aufenthalt in der teuersten Stadt Europas vorbereitet. Das Angebot des Reiseleiters über verbilligte Eintrittskarten für Madame Tussaud können wir leider nicht wahrnehmen, da wir noch keine Britischen Pfunds eingetauscht haben.

Beim Durchfahren des Londoner East Ends erkennt Papa schon frühzeitig das höchste Gebäude Großbritanniens wieder, den Cannary Wharf Tower. Aber irgendetwas ist anders?! Genau: Diesmal stehen zwei fast genauso große Türme links und rechts des Towers. Also auch hier wird fleißig gebaut. Ansonsten bietet dieser Teil Londons einen eher trostloser Anblick.

Auch das Umfeld unseres Hotels ist nicht sehr königlich. Viele „to let“-Schilder deuten auf einen Umbruch hin. Das Hotel ist ziemlich neu und völlig o.k. Unser Zimmer heißt 338 und hat Dusche/WC und TV sowie ein Fenster, das sich nicht richtig öffnen läßt aber glücklicherweise nach hinten raus geht. Vorne wird gerade mit viel Getöse die Straße neu verlegt.

Jule, Max und Papa machen sich auf, die Umgebung zu erkunden, währenddessen Mama ihr linkes Bein schont.

Komischerweise kommt man in London nach nur wenigen Schritten von einem eher schäbigen Straßenzug in ein Viertel mit Banken und anderen Glaspalästen (u.a. Bloomberg-Headquarter). Wir ziehen am Automaten bei NatWest £ 100,- .

Maxe will unbedingt zu McDonalds. Wir finden aber nur einen Burger King. Auch gut. Zur Kindertüte gibt es Familie Simpson als Fußballspieler. Überhaupt steht London ganz im Zeichen zweier großer unmittelbar bevorstehender Ereignisse: Die Fußball-WM und das 50jährige Thronjubiläum.

Unterwegs machen wir drei noch einige interessante Entdeckungen wie einen Friedhof mit überirdischen Begräbnisstätten, eine Grundschule mit lauter uniformierten Erstklässlern sowie den Spitalfield Market, wo aber nicht viel los ist.

Nach unserer Rückkehr zum Hotel brechen Mama, Maxe und Papa nocheinmel zu Fuß in Richtung Tower auf.

Nach ca. 30 min (Mama schlägt sich ganz wacker) erreichen wir den Platz vor der Festung. Justament in diesem Augenblick fängt es an wie aus Kübeln zu schiffen und wir sind natürlich unbeschirmt. Wir warten den Schauer unter einem Baum halbwegs trocken bleibend ab und gehen auf die berühmte Brücke. Da es mittlerweile nach 19,00 Uhr ist, kommen wir weder die Brückentürme hoch noch auf das Gelände des Towers. Ein Yeoman verweigert uns bei letzterem den Zutritt.

Wir gehen zur U-Bahn Station Tower Hill, kaufen uns Tickets und fahren zurück zur Old Street, wo sich unser Hotel befindet. Auf den letzten Metern kaufen wir noch für jeden eine 5-Minuten-Terrine, was an diesem Abend unser Dinner sein soll.

Jule empfängt uns mit der frohen Botschaft, daß wir während unseres Aufenthalts jeden Tag zweimal „Die Simpsons“ gucken können, nämlich um 18,00 Uhr auf BBC2 und um 19,00 Uhr auf Sky One. Um 20,00 Uhr sehen wir uns eine Sendung über die Chelsea Flower Show an, die immer in der letzten Maiwoche stattfindet und am besten mit der Bundesgartenschau zu vergleichen ist.

Nachdem der Rest der Familie eingeschlafen ist, versucht Papa noch, den „Daily Telegraph“ zu lesen. Dann geht auch er zu Ruh.

Wednesday 22.05.2002

Tower of London, Tower Bridge und Westminster

Wir stehen gegen 8,00 Uhr auf und begeben uns ins Restaurant. Das Frühstück besteht nur aus Kuchenbrötchen, Marmelade und Obst, aber davon soviel man will. Dazu Kaffee, Tee oder Milch.

Papa hängt sich seine Kamera um den Bauch und los geht’s Richtung Tower. Diesmal nehmen wir die Tube, denn ab heute sind unsere Visitor Travel Cards (VTC) für die nächsten drei Tage gültig. Jule schafft es gleich am ersten Tag, ihr Ticket so unglücklich zu knicken, daß es nicht mehr durch die Einlaßautomaten flutscht. Sie muß nun jedesmal den VIP-Durchgang benutzen.

Beim Kaufen der Tower-Eintrittskarten merken wir wieder mal, daß das Voucher-Heft der VTC praktisch nichts wert ist, denn man kommt mit dem Familientarif überall billiger rein.

Wir betreten also den berühmten Tower of London – Jule und Papa bereits zum zweiten Mal in ihrem Leben – , der im Laufe seiner tausendjährigen Geschichte als Festung, Gefängnis, Königspalast u.a. diente.

Wir gucken uns die Kronjuwelen an und machen die obligatorischen Kanonenfotos .

Im White Tower sieht man Waffen, Rüstungen usw. der verschiedenen Epochen. Kurz vor dem Ausgang muß man natürlich einen Shop durchqueren und Maxe leiert uns einige Ritter und eine Kanone aus dem Kreuz. Jule kauft sich ein Buch über paranormale Erscheinungen.

Bevor wir den Tower verlassen, lernen wir in einem der Türme noch etwas über einen gewissen Sir Raleigh.

Now it’s time for lunch. In einem ziemlich zugigem Imbiß am Themse-Ufer kaufen wir uns ein paar Sandwiches.

Wir schlendern zum naheliegendem Katherines Dock und schiffen uns auf einem Wassertaxi Richtung Westminster ein. Auf diese Weise passieren wir die verschiedenen Themsebrücken und erhalten über Lautsprecher Erläuterungen zu den Gebäuden links und rechts des Flusses. Außer uns ist nur eine orthodoxe Judenfamilie an Bord. Schräg gegenüber der Houses of Parliament steht das größte Riesenrad der Welt, das London Eye.

In Westminster angekommen (ca. 30 min Fahrt) steuern wir schnurstracks auf Big Ben zu und Maxe sieht seine ersten Bobbies. Wir machen unsere pictures und wenden uns der berühmten Kirche zu.

Beim bedächtigen Durchschreiten der Westminster Abbey passieren wir eine Vielzahl prominenter Begräbnisstätten, wofür Maxe verständlicherweise wenig Muße hat. Er muß aufs Klo. Papa hätte sich gerne eingehender mit den Skulpturen (z.B. Shakespeare, G.F. Händel) beschäftigt und auch Jule zeigt einigermaßen Interesse.

Wir schnappen uns einen der roten Doppeldecker und zuckeln über Trafalgar Square, Fleet Street und vorbei an St. Pauls zur Liverpool Station.

Bei Marks and Spencer versorgen wir uns mit Lebensmitteln und humpeln zurück zum Hotel.

Da es noch nicht zu spät ist, äußert Jule den Wunsch, ins Kino zu gehen. Papa und Jule brechen auf in Richtung Picadilly Circus. Die Kinos dort bzw. am Leicester Square zeigen entweder nicht das Richtige oder sind bereits ausverkauft. Papa kauft 2 Karten für „Blade II“ am nächsten Tag um 18,45 Uhr. In und um den Picadilly gibt es eine Menge skuriler Typen und Straßenmusikanten zu sehen. Einige geben schon fast professionelle Straßenkonzerte mit regem Publikumsinteresse; einer sitzt ziemlich unbeachtet auf der Straße und bläst in einen Verkehrskegel.

Jule und Papa gehen ins Planet Hollywood, wo wir uns erst den Wanst vollschlagen und anschließend ein originales „Planet Hollywood London“-T-Shirt für Jule kaufen.

Thursday 23.05.2002

Buckingham Palace und Harrods

Wir beschließen die Queen zu besuchen und fahren mit der Tube bis Green Park. Selbigen durchschreiten wir und bemerken die umfangreichen Arbeiten zu den bevorstehenden Feierlichkeiten.

Der Platz vor dem Buckingham Palace ist mit Pressetribünen gesäumt. Es findet aber auch heute der Wachwechsel statt und die Touristen bevölkern den Victoria-Brunnen. In dem Brunnen wurde das Wasser abgelassen und zwei Männer fegen die Münzen zusammen. Nach meiner Frage erzählt einer der Männer, daß sie das alle 3 Monate machen und daß so etwa 2000 Pfund im Jahr zusammenkommen.

Der Wachwechsel findet statt und zieht sich ganz schön in die Länge. Das meiste sieht man nicht wenn man nicht unmittelbar am Palastzaun steht. Vor dem Palast versuchen einige berittenene Polizisten, die Straße freizuhalten, was ihnen aber immer nur für einigen Minuten gelingt, dann laufen wieder einige Touries zwischen Palastzaun und Brunnen-Insel hin und her. Letztendlich sehen es aber auch die Polizisten nicht so verbissen.

Die Zeit während der Zeremonie wird durch gelegentliche Regenschauer verkürzt, wobei man dann durch die unzähligen aufgespannten Regenschirme gar nischt mehr sieht.

Die uniformierte Kapelle intoniert nicht nur Marschmusik, sondern spielt zur Belustigung der Massen auch einige Abba-Melodien.

Nachdem der Zirkus vorbei ist, löst sich die Menschenansammlung auf und wir beschließen, uns mal das Kaufhaus Harrods anzusehen. Wenn das Wetter besser oder wenigstens etwas beständiger gewesen wäre, hätten wir auf dem Weg dorthin den Hyde Park besucht. Wir schlendern eine Straße namens Constitutions Hill immer am eindrucksvoll gesicherten Gartenzaun der Queen entlang und warten am sog. Wellington Arch auf einen Doppeldecker Richtung Harrods. Leider vergeblich. Also zu Fuß weiter. Man merkt schon, daß die Einkaufsgegend etwas besser wird. Jule kauft sich in einer Boutique diverse Kosmetika.

Dann betreten wir Harrods. Ehrlich gesagt hat mich außer vielleicht der HiFi-Abteilung nichts besonders beeindruckt. Für Leute mit viel Geld ist es sicherlich angenehm hier einzukaufen, weil man durch viele nicht zu große Räume mit fast Wohnzimmer-Atmosphäre schreitet. Wir wurden mehrfach von der Security aufgefordert, unseren Rucksack nicht auf dem Rücken zu tragen und kamen uns nicht zuletzt deshalb etwas deplaziert vor in diesem Schuppen. Erwähneswert ist vielleicht die Feinkost-Abteilung. Gekauft haben wir natürlich nichts.

Nach unserer Rückkehr ins Hotel machen sich Mama und Jule bereit für ihren Kinobesuch, während Max und Papa noch etwas die Umgebung des Hotels erkunden und bei einem Kentucky Fried Chicken Hühnerbeine mit Pommes futtern.

Mama und Jule kehren unbeschadet aus Soho zurück.

 

Friday 24.05.2002

St. Pauls Cathedral und ein Abstecher auf die Südseite der Themse

Wir fahren mit einem roten Doppeldecker zur St. Pauls Cathedral und da schönes Wetter ist, beschließen Mama und Maxe im naheliegenden Park es sich auf einer Bank bequem zu machen, worauf Jule und Papa die Kathedrale betreten. Die Kuppel ist die zweitgrößte der Welt. Wir erklimmen die Treppen zur sog. Whispering Gallery und erleben das Phänomen mit eigenen Ohren…

Uns zieht es weiter nach oben und nach weiteren 160 Stufen betreten wir sog. Steinerne Gallerie und haben einen beeindruckenden Blick über Themse und Häusermeer. Jule setzt sich hin aber Papa will nach ganz oben. Die letzten Treppen sind sehr steil und Papa erreicht mit zitternen Knie die oberste Plattform, macht schnell sein Foto und steigt wieder runter.

Unten schnappen wir uns die anderen beiden und überqueren auf der nahegelegenen, erst zwei Jahre alten Füßgängerbrücke die Themse.

Auf der anderen Seite empfängt der ausgesprochen häßliche Bau der Modern Art Gallery. Dahinter ist eine Einkaufsstraße, wo wir einen Imbiß stürmen.

Wir steigen wieder in einen Doppeldecker und setzen uns hin. Der Bus macht keine Anstalten loszufahren – und nach Weile sagt uns ein wütender Fahrgast, daß Mama dem Fahrer endlich ihr ticket zeigen soll, sonst fährt der nicht weiter

2 Antworten zu London 2002

  1. du weisst schon wer schreibt:

    wie geht’s weiter? ward Ihr nu bei Madame Tussaud? wer ist der kleine Glatzkopf?

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