Saale-Radtour 2018

21. August 2018

Start halb zehn ohne Frühstück losgefahren, Tankstelle, Waschanlage und dann quer durch Berlin auf die A9. Breakfast an der Abfahrt Brück bei Kullman’s Diner (scrambled eggs, pancakes mit Ahorn-Sirup und Onion Rings und Würstchen – ca. 1000 kcal für jeden). Aber es geht ja schon auf zwölf.img_20180821_113019191.jpg

Kurz vor drei kommen wir in der Saalfelder Pension Töpferstübl an, lassen uns Zimmer und Fahrräder zeigen, geben unser ok, ruhen uns ein bischen aus und machen uns frisch. Wir laufen los in Richtung Feengrotten, denn um 17.00 Uhr findet dort die letzte Führung für heute statt.

Sollte jeder mal gesehen haben, der hier in der Nähe ist. Ab dem 16. Jhrd. wurde hier sog. Alaun-Schiefer abgebaut, der zu einem besonderen Salz verarbeitet wurde, welches für Textil-, Leder- und Holzverarbeitung benutzt wurde. Als man dieses Salz auf andere Weise herstellen konnte, wurde der Alaun-Schiefer-Abbau überflüssig und dieses Bergwerk geriet mehr oder weniger in Vergessenheit. Anfang des 20. Jhrds. wurden die Stollen wieder geöffnet und man entdeckte erstaunt, dass hier über die Jahrhunderte eine bunte Märchenwelt entstanden ist. Grund waren die aus dem Fels gewaschenen Minerale, die sich an den Wänden und Stalaktiten ablagerten. Seit 1914 ist es nun als Attraktion zu bewundern.

 

Vor einem urigen mittelalterlichen Lokal namens „Das Loch“ essen wir jeder einen Salat und sitzen dann noch im Hoteleigenen Biergarten, wo uns ein Kater mit Namen Leopold Gesellschaft leistet.

Mittwoch, 22. August 2018

Frühstück im Keller, dann Fahrräder bekommen und bezahlt. Das Auto stellen wir auf einem Parkplatz vor dem Saalfelder Bahnhof für 50 cent/Tag. Um 10.00 Uhr gehts los – erst noch etwas wackelig, dann aber zunehmend souveräner – runter an die Saale und dort auf einem schönen asphaltiertem Radweg entlang des Flusses. Öfter möchte man mal anhalten, weils einfach schön ist, aber wir wollen auch irgendwann mal ankommen und zwar in Jena. Meistens folgen wir dem Fluss aber der schlängelt sich sehr lebhaft und wir verlieren ihn aus den Augen, dann folgen wir den Markierungen. Bei Schwarza folgen wir dem falschen Radweg-Symbol und fahren etwa 5 km in die falsche Richtung. Nach einer halben Stunde haben wir wieder die richtige Orientierung und schauen ab jetzt öfter mal auf die Karte.

 

In Rudolstadt wechseln wir das Ufer und kommen am großen Festplatz für das jährliche traditionelle Vogelschießen vorbei. Es sieht aber aus wie ein ganz normaler Rummel. Über der Stadt thront die imposante Heidecksburg.

Dann geht es über Nester, die heißen Catharinau und Kolkwitz und dann wird es richtig steil, so dass wir absteigen und schieben müssen. Das Gute ist – irgendwann gehts auch wieder runter. Auf einem dieser Gipfel bei Weißenburg lacht uns ein Biergarten an und wir gönnen uns ein alkfreies Hefeweizen und ein Radler und geniessen die kalten Getränke bei einem wunderschönen Ausblick. Und weiter gehts. Die Orte hier heißen Uhlstädt- Kirchhasel und Zeutsch. Vor Freienorla müssen wir noch mal absteigen weils uns zu steil ist. Dann fahren wir über weite Strecken an Feldhainen vorbei mit Obstbäumen, deren Äste sich unter der Last überreifer Pflaumen und Äpfel biegen. In einem Ort mit Namen Großpürschütz sehen wir zum ersten Mal ein Schild, auf dem Jena steht (noch 22 km).

16.15 Uhr kommen wir im Hotel in Jena-Göschwitz an und wollen nur noch unter die Dusche. Den ganzen Tag schien die Sonne und es herrschten über 30°C (im Schatten). Auf dem Smartphone stehen 67,8 gefahrene Kilometer und 570 überwundene Höhenmeter.

Donnerstag, 23. August 2018

Frühstück bei einem Bäcker am Marktplatz von Jena, dann runter zur Saale und durchs „Paradies“, durch Kleingartenanlagen und entlang eines Maisfeldes aus der Stadt heraus. Bei Kunitz fahren wir über eine wieder aufgebaute Hausbrücke auf die andere Seite des Flusses.

 

Bei Porstendorf haben wir ein Problem – eine Brücke wird gerade neu gebaut und es gibt weit und breit keine andere Möglichkeit, den Fluss zu überqueren. Einzige Alternative: zurück nach Kunitz (5 km) oder aber weiter auf der stark befahrenen B88, die nicht mal einen Seitenstreifen hat. Porstendorf hat aber einen kleinen Bahnhof und dort lesen wir, dass in 20 Minuten eine Regionalbahn nach Großheringen fährt. Wir warten also und fahren dann 2 Stationen bis Camburg. Kostet 2,10 für jeden – leider entgeht uns dadurch Dornburg mit seinen berühmten Schlössern. Etwas später erreichen wir die Burgruinen Saaleck und Rudelsburg von denen man einen wunderbaren Blick auf das Saaletal hat, was aber bedeutet, dass man sich erst mal hinauf bemüht.

 

Zu trinken gibt es hier nichts und unser Trinkwasser in den Plasteflaschen hat mittlerweile auch schon bestimmt 60°C.

Bis Bad Kösen sind es aber jetzt nur noch 5 km und wir erreichen unser Hotel „Am Wehrdamm“ um kurz nach drei. Ich stürze 2 alkoholfreie Hefeweizen runter und in dem Moment beginnt ein Gewitter, das den ersten Regen seit gefühlt sechs Wochen bringt.

Zum Abendbrot holen wir uns Salate, Obst und Pistazien bei Edeka und Susanne guckt sich einen alten Polizeiruf an.

Freitag, 24. August 2018

Frühstück gibts im Hotel und gegen zehn fahren wir los Richtung Naumburg. Gerhard gab uns gestern noch telefonisch den Tip, in Klosterpforta kurz vor Naumburg vorbei zu schauen. In diesem ehemaligen Zisterzienser-Kloster gibt es einen schönen Kreuzgang und außerdem eine einzigartige „Totenleuchte“ oder auch „Ewige Lampe“ aus Stein. Dummerweise ist diese Bauwerk gerade dieses Jahr am 18. Januar durch den Sturm „Frederike“ im 750. Jahr ihres Bestehens zerstört worden. Ein Wiederaufbau ist geplant. In dem Kloster befindet sich jetzt ein Gymnasium mit Internat.

Rechts am Klostergelände vorbei verläuft ein Pfad Richtung Naumburger Innenstadt, der blöderweise mit frischgefällten Baumstämmen blockiert wird, so dass wir hier öfter unsere Räder tragen statt sie uns. Der eigentliche Saale-Radweg führt um Naumburg herum aber wir wollten wenigstens mal den berühmten Dom besuchen, weswegen wir quer durch die Stadt fahren. Der Dom wird einmal umlaufen und wir radeln wieder runter Richtung Saale. Bei einem Gasthaus „Alter Felsenkeller“ trinken wir kurz was und befinden uns von jetzt an wieder auf Kurs. Ab hier wird es wirklich idyllisch. Kaum noch Steigungen, asphaltierter Radweg, links die immer breiter werdende Saale und rechts meistens Felder sowie die eine oder andere Burg. Es ist auch nicht mehr so heiß wie gestern und vorgestern.

 

 

In Weißenfels wechseln wir das Ufer. Auch hier ein super ausgebauter, ausgeschilderter Radweg, der weitestgehend vom Autoverkehr unberührt bleibt. Hier lässt es sich über viele Kilometer sehr entspannt radeln. Bei Kleinkorbetha geht es nochmal über eine Brücke auf die andere Saaleseite. Jetzt wirds windig und dunkle Wolken ziehen auf. Auf den letzten Metern vor unserer Unterkunft in Bad Dürrenberg fängt es doch tatsächlich an zu regnen und wir müssen uns beeilen.

Ankunft im Hostel „Altes Salzamt“ viertel nach drei. Supermoderne Unterkunft in einem uraltem Gebäude. Gleich nebenan ist der Kurpark mit einem großen Gradierwerk.

In Bad Dürrenberg wird genauso wie in Bad Kösen Sole, also salzhaltiges Wasser gefördert und „gradiert“, d.h. in riesigen Holz-Reisig-Installationen durch Verdunstung in eine höher konzentrierte Sole verwandelt. Der Nebeneffekt dieser Technologie ist, dass in unmittelbarer Nähe dieser Gradierwerke eine Luft herrscht, die durch ihren hohen Salzgehalt vergleichbar mit Meeresluft ist, wodurch diese Orte zu Erholungsorten wurden und sich Bad Dingsbums  nennen durften. Zu DDR-Zeiten wurde dieser gesunde Vorteil durch die unmittelbar benachbarten Chemie-Fabriken Leuna und Buna wieder zunichte gemacht. Das Bad Dürrenberger Gradierwerk ist das größte in Deutschland und es gibt davon durchaus mehr als man denkt.

 

Für heute haben wir uns vorgenommen, mal was mit Klößen zu essen und gönnen uns dann auch welche.

Bildschirmfoto vom 2018-09-01 22-15-49

 

Sonnabend, 25. August 2018

Frühstück im Hostel und um kurz nach neun sitzen wir wieder im Sattel. Heute ist es um einiges kühler als in den letzten Tagen aber noch regnet’s wenigstens nicht. Wir passieren Merseburg, sehen zwar das Schloss von weitem ansonsten kommt uns nichts bekannt vor, da wir immer in Flussnähe bleiben. Nach kurzen angenehmen Strecken und einer Brückenüberquerung kündigt sich Halle an. Der Fernradweg ist ab Stadtgrenze gesperrt, wir werden umgeleitet und fahren eine halbe Stunde lang nur direkt auf Hauptverkehrstrassen. Zwar auf einem Fahrradweg aber umnebelt von Abgasen und Lärm. Dazu kommen zahlreiche Baustellen und wir verlieren die spärlichen Hinweise auf die Radwegumleitung aus den Augen. Mit Hilfe unserer Karte und Google Maps suchen wir uns unseren eigenen Weg und sind bald wieder auf dem Saaleradweg aber immer noch in Halle. Der Radweg führt jetzt auf eine Insel, wo gerade ein großes Volksfest   mit mehreren Bühnen und allerlei Fressbuden stattfindet. Wir können der Versuchung nicht wiederstehen und kaufen uns jeder eine Bratwurscht. Wir verlassen die Insel aber leider zieht sich das Volksfest mit seinen Buden und flanierenden Besuchern noch weiter auf dem Radweg hin und will kein Ende nehmen. Erst an der Brücke unterhalb der Burg Giebichenstein können wir wieder aufs Fahrrad steigen und normal weiter fahren. Dafür fängts jetzt an zu regnen und wir suchen Schutz unter einem Baum. Nach ein paar Minuten ist der Schauer vorbei und wir fahren durch Kleingartenanlagen hinaus aus der Stadt. Alles könnte jetzt so schön sein, wo wir die Großstadt hinter uns gelassen haben – wenn nur nicht dieser Gegenwind wäre. Kurz bevor wir in Brachwitz auf eine Fähre steigen gerate ich auf einem Sandstreifen ins Schlingern und rette mich mit einem gekonntem Salto vom stürzendem Fahrrad – so war es jedenfalls in meiner Warnehmung.

 

Nach der Fährüberfahrt zeigt uns ein Schild noch 8,5 km bis Wettin, da wir aber nur schnurgerade durch abgeerntete Felder fahren und permanent mit einem starken Gegenwind kämpfen, benötigen wir für diesen letzten heutigen Abschnitt eine dreiviertel Stunde.Bildschirmfoto vom 2018-09-01 22-57-04

In Wettin begrüßt uns Frau Heiland in ihrer Radler-Pension direkt unterhalb der imposanten Burg. Die Burg Wettin ist der ursprüngliche Sitz diverser bedeutender Königs- und Fürstenhäuser. Die sog. Albertinische Linie stellte z.B. das sächsische Königsgeschlecht und die sog. Ernestische Linie verläuft über mehrere thüringisch/fränkische Fürstenfamilien bis zur heutigen belgischen und sogar englischen Monarchie. Queen Elizabeth II. stammt also von hier.

Wir steigen hinauf zur Burg und haben von dort einen grandiosen Blick über die Landschaft. In den Gebäuden der Burg befindet sich neben Stadtverwaltung und Restaurant ein Gymnasium. Vieles wird restauriert. Nach dem Abstieg holen wir uns bei Netto Würstchen, Salat sowie Erdnüsse, setzen uns auf eine Bank in der Nähe eines Fähranlegers und beobachten beim Essen die Fähre.

Sonntag, 26. August 2018

Lange geschlafen, gefrühstückt und nach kurzem Plausch mit den Gasteltern starten wir zur letzten und kürzesten Etappe nach Bernburg. Es ist nicht zu warm, aber sonnig und die Strecke ist sehr, sehr easy. Kaum Steigungen, fast durchgängig asphaltiert und obendrein ist gerade Pflaumenzeit. Wir kommen an unzähligen Obstbäumen vorbei, die voller Früchte sind, allerdings brauchen die Äpfel und Birnen noch etwas Zeit. In Mukrena radeln wir über eine Brücke auf die andere Seite der Saale nach Alsleben, hoppeln hier ab und zu mal über dörfliges Katzenkopfpflaster und fahren dann wieder ganz entspannt auf Asphalt. Kurz darauf unterqueren wir die Autobahn A14, passieren eine imposante Burg in Plötzkau und überqueren dann die Saale in Gröna. Das war aber etwas voreilig, denn unser Hotel für diese Nacht befindet sich gar nicht in Bernburg, sondern ziemlich weit außerhalb links der Saale.

Nachdem wir die Satteltaschen aufs Zimmer gebracht haben, strampeln wir nochmal los Richtung Bernburg und geraten wieder unverhofft in ein schunkeliges Volksfest. Mein Eindruck ist: hier wird ständig immer nur irgendwas gefeiert. Richtung Schloss wird es etwas ruhiger und wir kaufen uns zwei Eintrittskarten für das Museum. Auf der ersten der drei Etagen geht’s um mittelalterliche Foltermethoden, die zweite Etage behandelt die anhaltinische Geschichte und war ganz aufschlussreich und die dritte Etage zeigte Werke eines modernen Künstlers, den man ehrlicherweise nicht unbedingt kennen muss.

Danach fahren wir zum Bahnhof, essen bei der Gelegenheit beim dortigen Imbiss „Alibaba“ eine türkische Pizza und einen Dönerteller und strampeln dann zurück zum Hotel, wo wir offenbar die einzigen Gäste sind. An einer Tanke kurz davor holen wir uns noch Getränke und gucken dann auf unserem Zimmer den Weimarer Tatort.

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Eine Antwort zu Saale-Radtour 2018

  1. teddy61 schreibt:

    Die Reise hätte gerne länger sein dürfen, gell?

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