Emilia Romagna, San Marino

07. bis 14. Juli 2016

Donnerstag, 07. Juli 2016

AÖ – Igea Marina (Rimini)

Wir starten kurz nach acht und fahren zuerst zum Automaten der Altöttinger-Mühldorfer Sparkasse um Bargeld zu ziehen. Dann geht es über Garching und Trostberg auf die A8 Salzburg-München. Dort verlieren wir eine halbe Stunde in einem Stau vor einer Baustelle, haben dabei aber einen schönen Blick nach rechts auf das „Bayerische Meer“ mit seinen Inseln Herren- und Frauen-Chiemsee sowie nach links auf auf das Alpen-Panorama.

Über das Inntal-Dreieck fahren wir Richtung Kufstein, wo wir uns kurz vor der Grenze nach Österreich natürlich das Pickerl holen, das mittlerweile €8,80 kostet. Die Brenner-Maut schlägt dann mit €9,00 zu Buche und an den nächsten beiden Mautstellen bis Bologna sind dann noch mal 17,60 bzw. 15,30 Euro fällig. Da kommt ganz schön was zusammen. Tanken waren wir auch einmal, und zwar in Affi in der Nähe von Verona, wobei der Sprit hier ca. 30 Cent/l teurer ist als bei uns zu Hause.

Kurz hinter der Grenze zu Südtirol legt Susanne die erste von 3 CD’s mit den 60 ultimativen Italo-Hits der letzten 50 Jahren ein um das richtige Urlaubs-Feeling aufkommen zu lassen. Aus dem Lautsprecher knödelt nun Eros Ramazotti, Al Bano jammert Felicità und Loretta Goggi verflucht den Frühling.

Draußen herrschen 34°C.

Bis Modena haben wir alle 60 Italo-Hits durch. Im Großraum Bologna muss man sich konzentrieren, denn auf der 8-spurigen autostrada wird sehr offensiv gefahren.

Die Dame in unserer Navigations-App hat zwischendurch offenbar komplett den Verstand verloren, denn sie fordert uns mehrfach auf, unverzüglich auf der Autobahn zu wenden. Glücklicherweise haben wir noch eine zweite Helferin im installierten Ford-Navigationssystem, auf die mehr Verlass ist. Mit ihrer Unterstützung erreichen wir dann auch ohne Probleme unser Ziel. Gegen Ende der Reise sind sich beide Damen weitestgehend wieder einig.

Ankunft im ***Hotel Condor in der via Ovidio 88 gegen 17.00 Uhr, wo wir sehr herzlich von Sandra und dem Hund Max begrüßt werden, denen wir herzliche Grüße aus AÖ ausrichten. Die Beziehung besteht schon seit über zwanzig Jahren. Vom Balkon des Zimmers Nr. 403 im fünften Stock hat man einen Super-Ausblick sowohl auf die Adria als auch landeinwärts zum Felsen, auf dem San Marino liegt.

Wir gehen kurz zum Strand – das Wasser ist heute etwas dreckig und stinkt.

Nachdem wir den Haupt-Boulevard und einen Teil des Strandes einmal hoch- und wieder runtergelaufen sind, kaufen wir Kekse und Bier einem 1-Euro-Shop, melden unsere glückliche Ankunft telefonisch nach AÖ, laufen zurück zum Hotel und setzen uns auf unseren Balkon mit der tollen Aussicht.

Im Fernsehen läuft jetzt auf Rai Uno das Halbfinalspiel der Fußball-EM zwischen Frankreich und Deutschland und es sieht nicht gut aus für Germania...

Freitag, 08. Juli 2016

Rimini

Um 9.00 Uhr wird im ersten Stock gefrühstückt und danach legen wir uns wieder hin. Um 11.00 Uhr laufen wir zum Bahnhof Igea Marina, wo freitags immer ein Markt stattfindet. Uns erwartet aber wieder nur der übliche Mist: dutzende Klamotten-Stände – man freut sich regelrecht über die Abwechslung, die ein Stand mit einem neuartigem Gemüsehobel bietet. Es ist schon wieder sehr heiß und es herrscht eine hohen Luftfeuchtigkeit.

In der Unterführung spielt ein alter Mann ohne Beine auf einer E-Gitarre „Hey Jude“ und wir geben ihm ein paar Münzen.

Neben dem Bahnhof steht ein modernes Gebäude, in dem sich ein Großhandelsmarkt befindet. Da es hier schön kalt ist, vertreiben wir uns die Zeit zwischen den riesigen Parmaschinken und Käse-Laibern (dominant ist aber der Fischgeruch), dann treten wir wieder raus in die sommerliche Schwüle.

Vom Strand fährt ein Bus alle 15 min in die Altstadt von Rimini, das Geschaukel dauert ungefähr 40 min.

Das Zentrum von Rimini ist nicht sehr groß und hat eine Reihe von römischen und mittelalterlichen Bauwerken. Ihren Namen hat sie von dem Fluss, der im Altertum Ariminus hieß und der heute Marecchia heißt. Über die zweitausend Jahre alte ponte daugusto aus der Zeit des Kaisers Tiberius fährt heute immer noch ein Großteil des Verkehrs in die Stadt und wieder hinaus.

Wir laufen durch die Gassen und über die piazzi und trinken jede Menge aqua frizzante, denn es ist heiß und schwül. Auch die Einheimischen schalten in unserer Wahrnehmung einen Gang zurück, die meisten Geschäfte sind um die Mittagszeit geschlossen.

Sehenswert sind neben der erwähnten Brücke der hiesige Dom mit Namen Tempio Malatestiano sowie die Piazza Cavour mit der Fontana della Pigna (Pinienzapfen-Brunnen) dessen Becken aus dem 15. Jhrd., weitere Teile sogar aus römischer Zeit stammen.

Am Augustusbogen beobachten wir, wie ein junge, sehr kleine Frau von der Stadtpolizei aufgefordert wird, ihr Motorrad aus dem Parkverbot zu entfernen. Sie fragt uns, nachdem die Polizei weg ist, ob wir ihr helfen können, das riesige BMW-Zweirad ein Stück weiter zu schieben, denn sie selber reicht kaum bis zum Lenker. Ihr Mann, der eigentliche Fahrer, ist kurz zu Post gegangen. Ich helfe ihr und sie erzählt uns, dass sie aus Apulien stammt und in Ulm aufgewachsen ist.

Wir laufen weiter entlang der ehemaligen Stadtmauer zum römischen Amphitheater, dessen Konturen aber nur noch aus dem heutigem Straßenverlauf nach zu vollziehen sind.

In einem Garten steht eine ältere Frau und pflückt reife Feigen von einem Baum. Sie fordert uns auf, auch von den süßen Früchten zu probieren und wir helfen ihr, in dem wir einige Äste herunter ziehen, an die sie alleine nicht heran kam. Eine Familie aus UK mit vielen Kindern gesellt sich dazu und ist begeistert von diesem seltsamen Obst.

Wir laufen zum Bahnhof und fahren mit einem modernen Regionalzug der Trenitalia in 15 min zurück nach Igea Marina.

In unserem Zimmer schlafen wir auf der Stelle ein und kommen erst nach einer Stunde wieder zu uns.

Abendbrot gibt es erst nach 19.00 Uhr und die Zeit bis dahin verbringen wir in der Adria, deren Strand nur 50 m von unserem Hotel entfernt ist. Heute ist das Wasser auch sauberer als gestern aber im flachen Bereich sehr warm. Im tieferen Wasser ist es angenehm erfrischend.

Zum Abendbrot gibt es gratinierte Makkaroni und gegrillten Truthahn sowie Salat und anderes vom Buffet. Die meisten anderen Gäste schlagen bei den Muscheln so richtig zu – wir nicht.

Danach laufen wir noch am Strand entlang und trinken an einer Strandbar ein kühles Krombacher bzw. eine Aperol Spritz.

Sonnabend, 09. Juli 2016

Ravenna

Unser Bahnhof ist nur 400 m vom Hotel entfernt. Wir fahren gegen Mittag mit dem Zug nach Ravenna. Dabei überqueren wir wie Cäsar im Jahre 49 vor Christus den Rubikon.

Die Fahrt dauert ca. 40 min. und kostet € 3,75 pro Person. Die Waggons sind herrlich kühl.

Ravenna war bei seiner Gründung eine vom Wasser umschlossene Lagunenstadt, liegt aber heute durch die Verlandung ca. 9 km von der Küste entfernt.

Sie war im 5. Jhrd. Hauptresidenz der weströmischen Kaiser und fiel dann an die Ostgoten unter Kaiser Theoderich. Dieser war ein Vertreter der arianischen Strömung der christlichen Lehre, deswegen sehen die erhaltenen Sakralbauten aus dieser Zeit hier alle etwas anders aus, z.B. achteckig statt dreischiffig.

Später war sie Vorposten des oströmischen Reiches (Byzanz). Es ist die Zeit der Spätantike und eine wesentliche Ausdrucksform der bildlichen Darstellung sind die Mosaiken, die in anderen Teilen des oströmischen Reiches dem „Bildersturm“ zum Opfer fielen. Ravenna gehört deshalb zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Ein berühmter Sohn der Stadt aus dem 14. Jhrd. ist Dante Alighieri, der hier seine „Göttliche Komödie“ vollendete.

Natürlich ist es heiß und wir gönnen uns zwischendurch ein Eis und halten in der einen und anderen der zahlreichen Kirchen Andacht.

Kurz vor der Rückfahrt telefonieren wir auf einer schattigen Bank mit Rostock und Velten.

Nach der Rückkehr springen wir noch mal ins Meer und machen uns dann fein fürs Abendbrot.

Es gibt Krabbensalat und Kalbsgulasch.

Spätabends sitzen wir auf unserem Balkon im fünften Stock und genießen den Blick nach San Marino sowie auf die Gassen zu unseren Füßen mit ihrem Samstagabend-Partylärm.

 

Sonntag, 10. Juli 2016

Strand No. 69

Wir gehen nach dem Frühstück zum Strand und leihen uns einen Sonnenschirm und zwei Liegen für den ganzen Tag aus (€ 20,-). Sogar der Strandwärter Claudio kennt meine Schwiegermutter…

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Das Wasser der Adria ist klar und erfrischend. Um die Mittagszeit sind wir fast die Einzigen am Strand. Nach 15.00 Uhr belebt es sich wieder.

Zum Abendbrot gibt es Honigmelone mit Schinken sowie Rinderfilet und wie immer ein Salat-Buffet.

Abends mit Jule geskyped.

Das war der Sonntag.

Montag, 11. Juli 2016

San Marino

Wir fahren gegen Mittag mit einem Reisebus in der Nähe des Hotels los. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde.

San Marino ist der drittkleinste Staat Europas und die älteste Republik der Welt. Der Legende nach flüchtete Anfang des 4. Jhrds. ein dalmatischer Steinmetz namens Marinus vor der Christenverfolgung auf den Monte Titano, um mit Gleichgesinnten zu beten. Später bekam er den Berg geschenkt und wurde heilig gesprochen.

Die erste nachgewiesene Ansiedlung einer Gemeinschaft stammt allerdings aus dem frühen 6. Jhrd. Um das Jahr 1200 kam es zu einer Gebietserweiterung.

Seit 1243 werden immer für 6 Monate zwei Staatsoberhäupter („capitani reggenti“ – damit keiner zu lange regiert und sie sich gegenseitig kontrollieren) gewählt – bis heute.

San Marino hat es dann über die Jahrhunderte teilweise durch die schwer einnehmbare Lage, teils auch durch geschickte Diplomatie immer geschafft, sich dem direktem Einfluss durch fremde Fürsten, Kirchenstaat und Diktatoren zu entziehen.

Als erster europäischer Staat schaffte San Marino schon 1865 die Todesstrafe ab, vollstreckt wurde sie zum letzten Mal 1468. Auch heute geht die Kriminalität gegen null, selten sitzt hier mehr als eine Person im Gefängnis (bei ca. 33.000 Einwohnern).

Unser Bus bringt uns bis zu einem Parkplatz unterhalb des historischen Zentrums San Marinos und es geht dann zu Fuß durch steile Gassen, die natürlich von Souvenirgeschäften und Restaurants gesäumt sind, hinauf zu den drei Burgen, die auch das Wappen San Marinos bilden. Nach kurzer Andacht in der nicht so alten Basilika betreten wir die Burg La Cesta o Fratta und haben von deren Zinnen einen atemberaubenden Rundumblick auf San Marino, Apennin und Adria. Susanne klettert auch noch auf den Turm und ich bleib davor im Schatten sitzen und beobachte u.a. einen Japaner, der jeden einzelnen Stein im Burghof fotografiert. In diesem Moment umkreisen 3 Drachenflieger den Monte Titano.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz kaufen wir ein T-Shirt, Kofferaufkleber sowie Postkarten, von denen Susanne einige gleich von hier aus verschickt. Tipp für Münzsammler: Beim Souvenir-Kauf kann man den Verkäufer um die seltenen sanmarinesischen Euro-Münzen als Wechselgeld bitten, wir hatten damit Erfolg.

Um 18.00 Uhr geht es mit dem Bus wieder bergabwärts.

Beim Abendbrot (dicke Kohlsuppe, Pasta und Cordon bleu) im Hotel kommen wir mit unserem Tischnachbarn ins Gespräch, ein allein reisender italienischer Rentner, der uns radebrechend auf Englisch die Unterschiede der verschiedenen Parmesan-Sorten erklärt. Er wohnt in Bergamo und kommt viel rum in Europa. Vor zwei Jahren war er bei einer Ostseerundfahrt auch in Warnemünde.

Abends mit Max geskyped.

Dienstag, 12. Juli 2016

Strand No. 69

Siehe Sonntag.

Wir buchen wieder zwei Liegen plus ombrellone für den ganzen Tag, ziehen uns aber diesmal über die Mittagsstunden ins Hotel zurück. Als wir wiederkommen, sind unsere Handtücher (eigentlich die vom Hotel) verschwunden. Claudio ist auch ratlos.

Susanne macht bei einem Fitness-Animations-Programm mit.

Einige Männer spannen ein großes Rund-Netz aus und fangen unter großer Anteilnahme der Strandgäste etliche Kilo Fisch.

Abends fahren wir mit Hotel-Fahrrädern nach Bellaria.

Heute abend ist Live-Musik-Abend in unserem Hotel und wir hören vom Balkon aus zu.

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