Breslau, Krakau, Zakopane

Montag, 04. April 2016

Berlin – Breslau

Bildschirmfoto vom 2016-04-20 21:59:39

Es dauert genau drei Minuten bis wir merken, dass wir noch was vergessen haben – die Kulturtasche. Also wird noch mal kehrtgemacht. Jule war gestern mit ihren Rostocker Freundinnen bei einer Transvestiten-Show im Admirals-Palast, weswegen wir sie von zu Hause abholen müssen. Montags um 9.00 Uhr vormittags braucht man eine ganze Stunde bis Friedrichshain. Sie ist noch müde und wir stürzen uns gleich wieder ins Berliner Verkehrsgetümmel. Über Schönefeld geht’s raus Richtung Cottbus – an einer Raststätte gibt es endlich ein Frühstück (um 12.00 Uhr mittags) und um 13.00 Uhr passieren wir bei Forst die Grenze.

Polen empfängt uns mit einer katastrophalen Autobahn, auf der wegen dem schlechten Zustand nur 70 km/h erlaubt sind. Zwischendurch hab ich Angst um unsere Stoßdämpfer. Die Gegenrichtung ist aber schon komplett fertig. Das Gehoppel dauert fast eine Stunde aber dann geht es smooth auf einer neuen Autobahn bis nach Wrocław.

Gegen 15.30 Uhr sind wir in unserem Hotel „Patio“ in der Altstadt nur eine Straße entfernt vom Rynek, dem zentralen Markt mit den markanten Giebelhäusern und dem einzigartigem Rathaus. Das Auto wird vom Hotelangestellten in eine Tiefgarage gebracht.

Wir halten uns nicht lange im Zimmer auf, laufen über den Markt und machen viele Fotos, u.a. von den überall anzutreffenden kleinen Bronzezwergen. Es sind ca. 20°C und die Tische vor den Restaurants sind gut besucht. Ich ziehe 500,- PLN aus einem Bankomat .

Nördlich der Altstadt liegen mehrere kleine Inseln in der Oder, die durch Brücken miteinander verbunden sind und auf vielen dieser Inseln sitzen viele junge Menschen im Gras. Das Grün der Bäume ist noch etwas dürftig. Über eine weitere Brücke kommen wir in einen Stadtteil am Nordufer mit zwei markanten Kirchen. Hier sind kaum Menschen und ein Mädchen spielt zweistimmig auf einer Blockflöte.

Über die most Pokoju gelangen wir zurück ans Südufer und laufen vorbei am Nationalmuseum und dem heute geschlossenem Panorama über Schlacht von Racłavice zu einem Ruinenberg mit Blick auf den Fluss. Dort setzen wir uns kurz hin. Ein Clown geht um und nötigt alle zu einem Highfive und Jule sagt: „Lass uns abhauen!“.

In der Altstadt gehen Susanne und ich in einen Supermarkt und gegen 19.00 Uhr sind wir alle ziemlich geschlaucht wieder in unserem Hotelzimmer.

Der Hund hat übrigens alles anstandslos mitgemacht.

Dienstag, 05. April 2016

Breslau

Jule hat 12 Stunden am Stück geschlafen. Wir stehen halb neun auf und gehen bei herrlichstem Sonnenschein über den Rynek und essen vor einem Café Frühstück (2x großer Obstsalat und 1x Rührei mit Schinken). Das Käse-Schinken-Croissant schaff ich nicht mehr und wir lassen es uns einpacken. Während des Essens werden wir von einem Bettler und einem Spatz belästigt. Der Spatz bekommt was.

Hier eine kleine Auswahl der überall zu findenden Breslauer Zwerge (Krasnale):

Wie bereits erwähnt besteht die Altstadt aus einem beeindruckendem Ensemble schicker Giebelhäuser, und das obwohl Breslau zum Ende des 2. Weltkrieges zu 80% zerstört wurde. Die schlesische Hauptstadt gehörte im Lauf ihrer Geschichte nacheinander zu Böhmen, Ungarn, Österreich, Preußen (durch Fritze zwo) damit zu Deutschland und letztendlich Polen. Vor dem 2. WK wohnten hier über 630.000 Deutsche. Hitler ließ Breslau in den letzten Wochen des Krieges zur Festung erklären. Nach der Niederlage mussten alle Einwohner die Stadt verlassen und es wurden Menschen aus Ostpolen (Lemberg, polnisch Lwow jetzt Lviv – Ukraine) angesiedelt, die ihrerseits von den Sowjets vertrieben wurden.

Entlang der Oder laufen wir zur most Grunwaldzki (ehem. Kaiserbrücke), besuchen eine große Markthalle (Hala Targowa) und Susanne kauft hier Obst und Gemüse für eine ganze Woche ein, das wir dann die ganze Zeit mit uns herumschleppen müssen. Wir kommen an der Technischen Hochschule vorbei und über uns schwebt eine Seilbahn zum anderen Ufer. Nach dem Überqueren einer weiteren Brücke stehen wir vor dem Gelände der Jahrhunderthalle. Vor der Halle steht eine 113 m hohe Stahlnadel.

Wir können einen Blick in die Halle werfen, sollen uns aber beeilen, denn es wird etwas für irgend eine Veranstaltung vorbereitet. Man mag den Innenraum beeindruckend nennen, schön ist aber was anderes. In einem kleinen Museum erfahren auf Schautafeln und in Filmen interessante Fakten zum Bau und zur Geschichte. Diese mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe gehörende Riesen-Veranstaltungshalle wurde 1913 unter der Leitung des Architekten Max Berg anlässlich der hundertjährigen Jubiläums der Leipziger Völkerschlacht errichtet. 15.000 Menschen passen hier rein.

Draußen brennt die Sonne und wir suchen uns nach einer Trinkpause eine schattige Bank im naheliegendem Park. In den japanischen Garten dürfen wir wegen Elvis nicht rein.

Mit der Straßenbahn Linie 10 (Bilety á 3,- PLN, Elvis 1,50 PLN) geht es zurück zur Altstadt und Susanne und Jule gehen in das Panorama-Gemälde über die Schlacht von Racłavice. Die Schlacht im Jahre 1794 war eine der wenigen, die eine polnische Armee gegen die Russen gewonnen hat, weswegen es für jeden patriotischen Polen zur Pflicht wird, das Rundgemälde zu besuchen. Das 114 Meter lange und 15 Meter hohe Gemälde stammt auch aus Lemberg, war aber während der kommunistischen Zeit meistens eingemottet, um die polnisch-sowjetischen Beziehungen nicht unnötig zu strapazieren und wurde dann aber ab Mitte der 80er Jahre im eigens erstellten Rundgebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Alle Leute reagieren freundlich auf Elvis und eine Frau, selber mit einem kleinem Yorkshire auf dem Arm, ist fast euphorisch. Leider verstehen wir sie nicht.

Abends gehen wir nochmal los, um einige weitere Zwerge zu finden. Elvis bleibt im Hotel. Es ist sommerlich warm, alle Restaurants haben ihre Tische draußen und es ist tatsächlich ein bisschen so wie in Italien. Das Rathaus und die Häuserfassaden am Rynek werden angestrahlt, es sind viele junge Leute unterwegs und wir setzen uns an einen Tisch und bestellen uns ein Bier, Jule wieder nur ein Wasser. Als wir zurückkommen, schleichen wir uns am Portier vorbei, denn der ist auf seinem Stuhl eingeschlummert.

Mittwoch, 06. April 2016

Breslau – Krakau

Bildschirmfoto vom 2016-04-20 22:06:00

9,30 Uhr ausgecheckt und in einem Bistro namens „Le Chef“ gefrühstückt. Es regnet leicht und wir gehen noch in einen Souvenir-Shop und in die Kirche der heiligen Elisabeth gleich gegenüber von unserem Hotel. Danach setze ich mich mit Elvis in unsere Hotel-Lobby und die Mädchen ziehen noch mal los durch die zahlreichen Boutiquen und Kunstgewerbeläden in der Altstadt.

Danach fahren wir zum Sky Tower, dem 2012 fertiggestelltem und mit 220 m höchstem Gebäude Polens. Unten befindet sich eine Einkaufszentrum. Vom 49. Stock aus hat man durch die bis zum Boden reichenden Fenster einen tollen Ausblick über ganz Breslau.

Auf der Autobahn A4 müssen wir insgesamt dreimal Mautgebühren bezahlen (16,- + 10,- + 10,- Złotych). Alles läuft super, einmal machen wir eine kurze Pause.

Wir kommen gegen fünf in Krakau an und finden problemlos unser Apartamenty Pod Wawelem, ein Dachgeschosszimmer im dritten Stock eines Altbaus ohne Fahrstuhl aber mit Blick auf die Weichsel (und einem Sportplatz direkt vor dem Haus). Das Zimmer ist zu 100% IKEA-möbeliert und auch das Bad ist sehr schön. Das Mädchen vom Empfang freundet sich sofort mit Elvis an und bringt auf Jules Bitten noch eine Decke und Kissen für Jules Klappcouch.

Susanne und Jule gehen mit Elvis schon mal los und umrunden den Wawel, während ich mich noch ein Stündchen aufs Ohr lege. Beide kommen begeistert wieder und rufen: „Wir haben eine Drachen gesehen und der hat sogar Feuer gespuckt!“

Als wir drei noch einmal ohne Elvis in die Altstadt aufbrechen, ist es bereits dunkel aber trotzdem ist der erste Eindruck, den Krakau mit seinen mittelalterlichen Gassen und Gebäuden auf uns macht, sehr positiv. Es sind viele meist junge Leute unterwegs. Auf dem zentralen Markplatz Rynek Głowny setzen wir uns vor ein Restaurant und bestellen Griechischen Salat sowie Caprese Salat und Piroggen mit Spinat und Knoblauch-Sauce. Dazu Tee und polnisches Bier.

In der Mitte des großen Marktes stehen die Tuchhallen sowie eine kleine Kapelle und ein Campanile (eigentlich der Rathausturm). Wir sehen es uns morgen alles bei Tageslicht genauer an – heute abend ist das alles wunderbar beleuchtet.

07. April 2016

Krakau

Nach dem Frühstück (1 Tee, 1 Eis, 2 Toast und Kaffee – 31,- PLN) steigen wir bei bestem Wetter erst zum Wawel hinauf und gleich wieder hinunter, weil – Hunde sind nicht erlaubt. Also laufen wir in die Altstadt und die Mädchen gehen erst in die Peter-und-Paul-Kirche und dann in ein Schmetterlingsmuseum mit lebenden Exemplaren. Elvis und ich warten immer geduldig draußen in der Sonne und beobachten die Leute.

Auf dem Rynek Głowny ist allerhand los und die Tuchhallen sind geöffnet. Der Marktplatz ist mit mit seiner quadratischen Form und einer Seitenlänge von jeweils 200 m einer der größten Europas.

Krakau war vom 11. bis zum 16. Jhrd. (mit kurzer Unterbrechung) Polens Hauptstadt und hat im Gegensatz zu Breslau kaum Schäden im II. Weltkrieg davongetragen. Auch davor kam sie immer glimpflich davon. Das letzte Mal zerstört wurde die Stadt im 13. Jhrd. durch die Mongolen. Bis ins 17. Jhrd. wurden hier alle polnischen Könige gekrönt. Die Stadt war immer ein Zentrum für Wissenschaft und Kultur, hier gibt es die zweitälteste Universität (nach Prag) nördlich der Alpen und u.a. hat Nikolaus Kopernikus hier studiert. Im 16. Jhrd. brachten italienische Baumeister Renaissance-Architektur nach Krakau, die bis heute das Stadtbild prägt. Von der Habsburger Zeit zeugen viele Jugendstil-Gebäude.

Natürlich ist auch die katholische Kirche sehr präsent. Jule und ich gehen in die Kirche zum heiligen Franziskus, wo es sehr schöne Fenster geben soll. Danach kaufen wir in einer Post Briefmarken für 66,- PLN.

Uns fällt auf, dass sehr, sehr vielen jugendliche Reisegruppen das Stadtbild dominieren, was sicher auch auf einen gewissen Herrn Spielberg zurückzuführen ist.

Suse und Jule kaufen allerlei Schnickschnack in den Tuchhallen und ich warte mit Elvis vor einem Café und beobachte die Leute…

Irgendwann gegen drei gehen wir alle zurück zu unserem Apartamenty, schleppen uns in den dritten Stock und schlafen auf der Stelle ein.

Nach einer Stunde kommen wir wieder zu uns und ziehen noch mal ohne den Hund los zum Wawel. Die Burg hat schon geschlossen, aber die Kathedrale ist noch offen. Das Burg-Gelände mit seiner Aussicht auf die Stadt und den Fluss ist aber Grund genug für den Besuch. Im Burghof blüht ein riesiger Magnolienbaum. In der Kathedrale wird gerade viel restauriert. In deren Krypta liegen fast sämtliche polnischen Helden und Herrscher, u.a. sogar der Zwillingsbruder des derzeitigen Präsidenten – Lech Kaczyński, was wohl manche Polen nicht so toll finden. Für diesen Teil braucht man Eintrittskarten, die wir nicht haben aber wir finden den Sarkophag mit Frederik Chopin.

Da ich ein dickes Knie habe, mieten wir uns eins der unten wartenden Elektro-Caddys inkl. Fahrer und lassen uns durch die Gassen der Altstadt kutschieren, wobei uns aus dem Lautsprecher die touristischen Highlights auf Deutsch erklärt werden. Das dauert ca. eine dreiviertel Stunde und kostet 150,- Złotych.

Danach suchen wir uns ein Restaurant und essen zu Abend Salate bzw. Pasta und trinken Tee bzw. Bier. Wir bezahlen dafür insgesamt nur umgerechnet ca. 20,- und finden das preiswert. Jule zieht noch mal alleine los, u.a. zum Hard Rock Café, und wir gehen zurück zur Unterkunft, wo Elvis uns erwartet.

08. April 2016

Oświęcim

Suse und Jule gehen früh auf einen Wochenmarkt nördlich der Altstadt einkaufen und bringen viele Leckereien zum Frühstück mit, u.a. geräucherten Oscypek-Käse. Danach essen wir auf unserem Zimmer und fahren dann ins ca. 55 km entfernte Auschwitz. Das Wetter passt zum Thema, grau und regnerisch. Wir stellen das Auto auf einem Parkplatz vor der Gedenkstätte ab und erfahren, dass die nächste Führung auf deutsch erst in 1 ½ Stunden stattfindet. Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns mit Kartenschreiben in einem Café.

Um 13.30 Uhr treffen wir uns mit anderen Teilnehmern der Führung und bekommen jeder Kopfhörer und Empfänger und werden auf einer Führung durch das Lager mit vielen schrecklichen Fakten konfrontiert. Auschwitz-Birkenau war das größte Arbeits- und Vernichtungslager und bestand aus mehreren Teilen. Hier waren von 1939 bis 1945 insgesamt etwa 1,3 Mio Menschen aus allen Teilen Europas unter unglaublichen Bedingungen inhaftiert, wovon etwa 1,1 Mio. ermordet wurden. Über 90% davon waren Juden.

Es sind sehr viele internationale Jugendgruppen unter den Besuchern. Die Tour dauert etwa 2 Stunden. Auf den zweiten Teil der Führung, zu dem man mit einem Shuttle-Bus nach Birkenau gebracht wird, verzichten wir und fahren zurück nach Krakau.

Mit dem Elektro-Caddy-Fahrer Bartek hatten wir gestern vereinbart, dass wir ihn heute noch mal anrufen, falls wir ihn brauchen und er hat uns einen Rabatt angeboten. Wir wollen uns den jüdischen Stadtteil Kazimierz zeigen lassen, also rufen wir ihn an. Er sagt seine Batterie ist alle, aber er schickt einen Kollegen. Der trifft kurz darauf ein und fährt uns mit seiner E-Karre durch die Gassen von Kazimierz. Dieser erst seit 1800 zu Krakau gehörende Stadtteil war jahrhundertelang überwiegend jüdisch besiedelt, wovon viele Synagogen zeugen. Während der deutschen Besatzung sank der jüdische Bevölkerungsanteil auf 0% und während der sozialistischen Ära ist dieser Stadtteil verfallen. Erst seit den 90ern geht es wieder aufwärts und mittlerweile gehört Kazimierz wieder zu den angesagtesten locations der Stadt. Auch jüdische Kultur ist wieder sehr präsent.

Auf einen Restaurant-Schiff essen wir Abendbrot.

Morgen geht’s nach Zakopane.

09. April 2016

Krakau – Zakopane

Suse und Jule stehen zeitig auf und laufen mit Elvis einmal den gesamten Plante ab. Der oder die Plante (polnisch Planty) ist ein ca. 4 km langer Grünstreifen um die gesamte Altstadt.

Nachdem sie zurückgekommen sind, verstauen wir sämtliches Gepäck im Auto und fahren nach Kazimierz zum Neuen Markt, essen Zapiekanki (typisches Krakauer Streetfood) bzw. einen Tatra-Burger zum Frühstück und trinken jeder einen Milchkaffee in einer sehr speziellen Gruftie-Bar. Danach kauft Jule auf dem Flohmarkt Steampunk-Ohrringe und eine dazu passende Kette. Wer will, kann hier auch NSDAP-Abzeichen und andere verfassungsfeindliche Kennzeichen ganz problemlos kaufen – aber auch anderen Tinneff.

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Dann fahren wir zur Topf-Fabrik eines gewissen Oskar Schindler am anderen Ufer der Weichsel, in der sich seit einigen Jahren eine sehr sehenswerte Ausstellung über die Zeit der deutschen Besatzung Krakaus befindet. Es ist sowieso Museumswetter und die Ausstellungsräume sind sehr authentisch gestaltet aber auch sehr gut besucht. Hier bleiben wir über 2 Stunden und Jule kauft sich anschließend ein großes Buch über das Thema.

Es regnet und regnet. Wir machen uns jetzt auf den Weg in das etwa 100 km entfernte Zakopane. Die Hälfte der Strecke fahren wir mautfrei auf einer neuen Autobahn, dann Landstraße. In höheren Lagen herrscht ziemlich dichter Nebel.Bildschirmfoto vom 2016-04-20 22:09:52

Gegen fünf erreichen wir die ul. Tetmajer Nr. 23 aber nichts weist hier auf ein Hotel hin. Wir müssen telefonieren und erfahren, dass es sich um ein Apartment in einem neu gebautem Wohnhaus handelt. Es kommt jemand, der uns eine Wohnung zeigt, aber in der geht der Strom nicht, deswegen bekommen wir die Wohnung genau darunter. Sie hat zwei Zimmer und einen Balkon, ist sehr modern ausgestattet – hat aber ganz offensichtlich kein WiFi, deswegen wird dieser Bericht mit Verzögerung erscheinen.

Nachdem wir einen kleinen „Konsum“ mit sehr überschaubarem Angebot (kein Hundefutter!) in unmittelbarer Nähe geplündert haben, gehen Suse und Jule ins Stadtzentrum und kaufen Schuhe während Elvis und ich die Stellung in unserer neuen Bleibe halten.

In unserer Küche steht ein moderner Herd aber es gibt nur eine polnische Bedienungsanleitung – irgendwann bekommt Jule ihn dann aber doch in Gang und brät uns vegane Würste.

Im Fernseher läuft jetzt PSDS oder sowas.

Sonntag, 10. April 2016

Zakopane

Jule und Suse gehen mit Elvis auf einen Markt und holen Brötchen, Eier und Oscypek-Käse. Nach dem Frühstück gehen wir ohne Elvis ins Stadtzentrum und schlendern die Fußgängerzone Krupowki entlang. In einem Café mit WiFi checken wir unsere emails, denn in unserer Unterkunft haben wir immer noch kein Internet. In einem Obuwie-Laden kaufen wir Wanderschuhe für alle für insgesamt 227,- PLN. In einer Apteka hole ich mir diclofenac-Salbe für mein Knie.

Am Ende der Krupowki kaufen sich die Mädchen jede eine schicke Holzkette und ich einen Oscypek-Käse für 1,- Złotych auf die Hand. Hier befindet sich auch die Talstation der Zahnradbahn zum 1120 m hohen Gubałowka. Auf Grund der schlechten Sicht macht es keinen Sinn, hoch zu fahren. Suse und ich gehen zurück zur Unterkunft und Jule shoppt noch ein bisschen.

Den ganzen Tag über herrscht Nieselregen und Nebel und die sonst sichtbaren Gipfel der Hohen Tatra konnten wir jetzt nur erahnen.

Am Nachmittag nehmen wir uns die Reiseführer vor und planen für morgen eine Route zum Morskie Oko, einem Bergsee in etwa 20 km Entfernung im Nationalpark „Hohe Tatra“.

Elvis wird Gassi geführt und dann gehen wir noch einmal ins Stadtzentrum, um deftige góralische Hausmannskost und Livemusik zu erleben. Ich esse Kartoffelpuffer mit Gulaschsoße und Pilzen und die Mädchen Piroggen mit irgendwas anderem. Dazu gibt es Musik einer góralischen 4-Mann-Band und hinterher einen 50%-igen Sliwowitz.

Montag, 11. April 2016

Morskie Oko

Lange geschlafen, die Mädchen gehen mit Elvis Gassi und wir essen kurz Frühstück. Das Wetter ist nicht viel besser als die letzten beiden Tage – von den umliegenden Bergen ist immer noch nicht viel zu sehen. Wenigstens regnet es nicht. Die beiden gehen zur Tourismus-Information und bringen einige Broschüren und Wanderkarten mit. Man sagt ihnen, dass oben am See ca. 5°C herrschen.

Wir fahren ohne Hund halb zwölf los zu einem Parkplatz namens Palenica Białczańska am Eingang des Nationalparks. Nach einer halben Stunde Fahrt finden wir uns nach dem Überqueren einer Brücke plötzlich in der Slowakei wieder. Wir kehren wieder um und finden dann doch den Parkplatz. Von hier sind es noch ca. 9 km bis zum Morskie Oko, wobei etwa 340 Höhenmeter zu überwinden sind. Wegen meinem dicken Knie setze ich mich in eine Pferdekutsche und die Mädchen stiefeln wacker ohne mich los.

Etwas später setzt sich die Kutsche, besetzt mit fünf weiteren Touristen und gelenkt vom zünftigen Góralen-Kutscher, in Bewegung und nach etwa der halben Strecke überholen wir Mutter und Tochter. Es geht bergauf immer vorbei an einem stellenweise ziemlich kranken Nadelwald. Schuld daran ist ein böser Käfer, erfahre ich. Trotzdem ist die Landschaft ganz reizvoll. Durch die Gipfel und Wipfel wabern die niedrighängenden Wolken und hin und wieder kreuzt ein rauschender Bergbach unseren Weg. Hinweisschilder warnen vor Wölfen und Bären.

Nach einer Stunde ist die Kutschfahrt zu Ende und kurz danach kommen auch Jule und Suse erstaunlich frisch hier oben an. Jetzt sind es noch 1,5 km Fußweg und dann stehen wir vor dem „Meeresauge“ mit seinem herrlichem Berg-Panorama. Der See ist – zugefroren. Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet, denn auf allen Postkarten und Prospektbildern, die wir bis jetzt gesehen hatten, leuchtete er immer im dunkelsten Azur. Es ist dennoch ein schönes Bild mit den Gletschern drumherum. Auf den Wegen um den See liegt Schnee.

Nach dem genug Fotos gemacht worden sind, trinken wir in der Berghütte einen Kaffee und machen uns an den Abstieg. Jule besteht darauf, alleine runter zu laufen und so nehmen Susanne und ich die Kutsche, die runterwärts nur eine halbe Stunde braucht. Jule braucht zu Fuß auch nicht viel länger, die letzten Kilometer absolviert sie im Laufschritt.

Zurück in Zakopane gehen wir in einen Supermarkt und jetzt sind die anderen beiden auf der Suche nach einer Sauna und ich gucke zusammen mit Elvis polnisches Proleten-TV, denn das Internet geht immer noch nicht.

Dienstag, 12. April 2016

Gubałowka, Zakopane

Letzter Tag.

Nach dem Frühstück gehen wir so gegen 11.00 Uhr zur Talstation der Zahnradbahn zum 1120 m hohen Gubałowka. Susanne und Juliane laufen hoch und ich fahre. Die beiden kommen kurze Zeit nach mir mit total verdreckten Schuhen oben an. Der Himmel reißt etwas auf und die Stadt und die gegenüberliegenden Gipfel ergeben ein schönes Panorama. Man merkt, dass diese Gipfelstation für einen wesentlich größeren Besucheransturm gerüstet ist als er gegenwärtig stattfindet. Es ist nämlich weder Winter- noch Sommersaison.

Nach einer Stunde geht’s gemeinsam mit der Bahn wieder runter und unten werden Souvenirs – hauptsächlich Oscypek-Käse in verschiedenster Form sowie ein Góralen-Hut für Maxegekauft. Ich gehe zum Friseur und lasse dort 30,- Złotych für einen modernen Kurzhaarschnitt. Jule hat sich für 14.00 Uhr bei einem anderen Fryzjer einen Termin gesichert und bezahlt dort nur 50,- Złotych für eine Frisur, die in Berlin bestimmt 50,- € gekostet hätte (der Kurs ist übrigens 1 : 4,2) und ist danach ein völlig neuer Mensch.

Nachdem wir uns alle wieder in unserem Apartamenty getroffen haben, wird beschlossen, dass der Ausflug zum Kasprowy Wierch gecancelt wird, da es schon zu spät dafür ist und außerdem immer wieder Regenwolken aufziehen. Wir entscheiden uns, in den Aquapark Zakopane zu gehen und dort unsere letzten Złotych zu verbraten. Jule bekommt einen neuen Badeanzug und wir gehen alle in die große Badelandschaft mit ihren Wasserrutschen, Schwimmbecken und Whirlpools und von derem dampfendem Außenbereich man im 39°C warmen Wasser liegt und auf die umliegenden schneebedeckten Gipfel sieht. Der leichte Regen stört überhaupt nicht. Auch der Aquapark ist für wesentlich mehr Menschen konzipiert, als heute da sind, was uns aber überhaupt nicht unangenehm ist. Die Mädchen gehen dann noch für eine Stunde in den Saunabereich.

Hier ein nicht gesponserter Link: http://www.aquapark.zakopane.pl

Jetzt sind alle Koffer gepackt und morgen früh geht es in einem Ritt zurück nach Hause.

Mittwoch, 13. April 2016

Heimreise

Natürlich begrüßt uns dieser Tag wie zum Hohn mit herrlichstem Sonnenschein und alle Gipfel um Zakopane herum erstrahlen in den schönsten Gletscherfarben. Wir aber müssen um 8.00 Uhr losfahren, damit wir irgendwann vor Einbruch der Dunkelheit wieder in Berlin sind.

Bildschirmfoto vom 2016-04-20 22:13:42